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Meinung: Warum ich mich als (Gelegenheits-)Raucherin auf das Rauchverbot freue

von

Die Wiener FPÖ will das Rauchverbot in Lokalen kippen - als Raucherin kann ich nur sagen: bitte nicht!

JetztSophie E. (Wienerin)

In Wien gibt es sie noch immer: die Lokale, in denen man bereits nach Betreten drei Tage lang nach Rauch stinkt. Und ja, ich liebe sie auch. Schließlich zünde ich mir nur beim Trinken die eine oder andere Zigarette (oder manchmal sehr viele) an. Und die ranzige Atmosphäre ist sowieso unvergleichlich. Doch ich freue mich trotzdem auf das Rauchverbot in der Gastronomie. Warum? Weil wir einfach nicht mehr ignorieren können, dass Rauchen unglaublich schädlich ist. Auch wenn man sich hierzulande wieder einmal in die typische Wurschtigkeit hineingepafft hat.  

 

Aber fangen wir von vorne an. Hätte es damals, als ich zarte 14 Jahre jung war, keinen Raucherhof in der Schule (!) gegeben, hätte ich wohl gar nicht erst mit dem Mist angefangen. In diesem Alter raucht man nur wegen des Gruppenzwangs, andere Gründe kann es nicht geben. Schließlich hat jede von uns die erste Zigarette wieder halb aus dem System gewürgt. Das heißt: von Kindheit an wird einem antrainiert, dass Rauchen okay ist. Egal wo und egal wann. Das ist angesichts der Gefährdung, der wir uns aussetzen, eigentlich absurd. 

 

Nur her mit den Verboten!

 

Und nach der Schule geht es schnell: bald werden nur noch Lokale und Clubs ausgesucht, in denen geraucht werden darf. "Da darf man nicht rauchen!? Geh ich sicher nicht hin" - ein Satz, den auch ich öfter gesagt habe. Aber warum freue ich mich dann aufs Rauchverbot? Ganz einfach: weil ich somit gezwungen werde, mich dieser Gesundheitsgefährdung nicht mehr auszusetzen. Weil ich wahrscheinlich gar nicht erst so viel geraucht hätte, wäre es von Anfang an beim Ausgehen nicht möglich gewesen. Manche Menschen können eben nicht mit Verzicht leben, deshalb muss es Gesetze geben, die ihnen diese Dummheiten wieder abgewöhnen. Ein bisschen so wie der Mitbewohner, der einen zwingt, sich gesund zu ernähren. So etwas brauche ich. 

 

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In anderen Ländern ist es sowieso längst üblich, und auch dort haben wir es alle überlebt, nicht zu rauchen. Wenn RaucherInnen mit verächtlichen Blicken gestraft werden, vergeht einer schnell die Lust auf die schnelle Tschick. Schließlich ist das Rauchen in Lokalen so ziemlich überall schon ein Relikt aus der Vergangenheit. Nicht so im schönen Alpenland: hier wird weiterhin fröhlich gepafft, wer nicht raucht, gehört eher zu einer seltenen Spezies. Da werden sogar ekelhafte Rauchergondeln (ja, die gibt's wirklich) installiert, um die Wiener RadikalraucherInnen nicht zu verschmähen. 

 

Nicht alle freuen sich über das geplante Rauchverbot

 

Ab Mai 2018 wird es also endlich ein generelles Rauchverbot in Lokalen geben. Doch nicht alle haben ihre Freude damit. Die Wiener FPÖ hat bereits angekündigt, sich gegen das neue Gesetz einzusetzen. Die Regelung würde die Gastronomie massiv gefährden, und auch sonst sei das Ganze eine "Schikane", ließ der FP-Vizebürgermeister Johann Gudenus ausrichten. 

 

Österreich auf Platz 3 beim Tabakkonsum

Knapp ein Drittel der österreichischen Bevölkerung ab 15 Jahren (30 Prozent) zählte im Jahr 2014 zur Gruppe der regelmäßigen RaucherInnen. Nur in Bulgarien und Griechenland war der entsprechende Anteil mit 34,7 Prozent bzw. 32,6 Prozent höher. (Quelle: Eurostat)

 

Solle es nicht gelingen, das Aus zu verhindern, möchte Gudenus zumindest Ausnahmen für E-Zigaretten und Verdampfungsgeräte schaffen. Dass die Situation der Rauchernation Österreich alles andere als schön ist, wird hier leider ausgeblendet, wie die Fakten (siehe Kasten) zeigen. Während wir bei vielen Dingen EU-weit eher schlecht dastehen (Gender Pay Gap zum Beispiel), können wir uns aber zumindest den Raucherorden umhängen. Was für eine Errungenschaft! 

 

Und ja, ich weiß, dass es dann statt nach Zigaretten nach Schweiß und Bier riechen wird. Das ist zwar nicht angenehm, tut aber unserer und der Gesundheit unserer Nichtraucher-FreundInnen (die existieren nämlich auch) sehr gut. Es wird also Zeit sich von den sympathischen Raucherspelunken zu verabschieden, liebe RaucherInnen. Es tut weh, aber es ist notwendig. 

 

 

Kommentare

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1 Kommentare
Gast: Xyz
12.10.2017 09:39

?

Seid mir nicht böse, aber ein bisschen Eigenverantwortung sollte schon jeder von uns haben.
Ich habe erst als Studentin zu rauchen begonnen und zZt rauche ich nur am Abend nur in der Freizeit und beim Weggehen. Nie in der Arbeit.
Ich will dich nicht entmündigt werden.