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Lehrerinnenkolumne: "Haben Sie eigentlich Kinder?"

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Sie haben eine mehrjährige Ausbildung. Inklusive ganz viel Pädagogik, Entwicklungspsychologie und Didaktik. Für manche Eltern zählt aber nur, ob Lehrerinnen selber auch Kinder haben. Komisch, findet WIENERIN-Kolumnistin Ursula Neubauer.

Sind Kinderlose Lehrerinnen die schlechtere Lehrerinnen?

JetztUrsula Neubauer(Wienerin)

Das Schuljahr ist schon ein paar Wochen alt. Das merkt man auch an den Themen, die in LehrerInnenkreisen besprochen werden. Ging es letztens noch um Schularbeitstermine, Werteinheiten und wer welche Klasse bekommt, werden jetzt Eltern-Verhalten und Eltern-Gespräche diskutiert. Aktuell gehen ja auch die ersten Eltern-abende über die Bühne. Und es geht um eine unter meinen LehrerInnen-Bekannten ganz besonders verhasste Frage:

"Owa Sie hobn kane Kinder, oder?"

Da redet man über die SchülerInnen, ihre Stärken, ihr Verhalten und dann kommt da oft diese eine Frage, die Eltern gerne stellen und die bei LehrerInnen in meinem Umfeld, na sagen wir - mäßig gut - ankommt. Folgende nämlich: "Haben Sie eigentlich Kinder?" Oder in der ärgeren Variante: "Sie haben aber selber noch keine Kinder, oder?"

Und ich frage mich, wieso das so ist. Sind Leute, die selber Kinder haben, bessere PädagogInnen? Können die besser erklären? Sind die methodisch fitter? Fachlich geeigneter? Können die eine Gruppe von 25-30 Kindern besser handeln, weil sie zu Hause mit einem oder zwei Kindern leben? Sind die von ihren Charakterzügen her besser für die Arbeit mit jungen Menschen geeignet?

 

Meine Lehrerinnen-Bekannten sind jedenfalls genervt davon, dass ihre berufliche Qualifikation und Kompetenz durch solche Sätze in Frage gestellt werden: "Ich kann die Frage wirklich nicht mehr hören", meint W. "Ich habe fast fünf Jahre lang studiert und da geht es nicht nur um fachliche Dinge, sondern um ganz viel Pädagogisches. Wir haben Fachdidaktik, Entwicklungspychologie, Lernpsychologie, kennen uns wirklich gut aus, verbringen jeden Tag mit hunderten Kindern und Jugendlichen und dann wird bei Elternabenden so getan, als wäre es eine Zumutung, dass wir auf Kinder losgelassen werden, nur weil wir keine eigenen haben."

 

S. sieht das ähnlich: "Manchmal würd ich gerne zurückfragen: 'Und? Haben Sie eine pädagogische Ausbildung gemacht, bevor Sie Kinder bekommen haben?' Ich weiß einfach nicht, warum ich schlechter qualifiziert sein sollte als jemand, der Kinder hat. Und muss ich, als jemand, der Kindern etwas beibringen will und soll wirklich wissen, wie es sich anfühlt, selber Mutter zu sein? Ist der Umgang mit einem Kind in der Familie und der zwischen Lehrerinnen und SchülerInnen in einem Schulalltag wirklich so gleich, dass das wichtig ist?"

 

Und H. sagt: "Wir LehrerInnen sind halt auch unterschiedlich, so wie alle Menschen in einer Berufsgruppe. Es gibt super tolle, von Haus aus geeignete, engagierte, mäßig geeignete und die weniger tollen. Aber ich glaub, nichts davon hat etwas damit zu tun, ob jemand Kinder hat oder nicht. Ich würde meine Kinder sofort von guten kinderlosen PädagogInnen unterrichten lassen - lieber als von schlechten LehrerInnen, die Kinder haben."

 

"Hey, Frau Fessa!"

WIENERIN-Autorin Ursula Neubauer hat selbst mal unterrichtet. Aber nur kurz. Der Lehrberuf war nix für sie. Das Thema Schule begleitet sie aber nach wie vor dank vieler Lehrerinnenfreundinnen. In dieser Kolumne schreibt sie über Erlebnisse zwischen Lehrer- und Nichtlehrermenschen und den ganz normalen Schulwahn(sinn).

Zu allen Beiträgen der "Hey, Frau Fessa"-Kolumne.

 

 

Kommentare

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2 Kommentare
Gast: JuliaGast
06.10.2017 14:13

anderer Grund

Ich kann es nur aus Sicht von uns selber schreiben (habe eine Tochter, die bald in die VS kommt). Viele Mütter in meinem Umfeld interessieren sich dafür, ob die Lehrerinnen Kinder haben, weil sie Angst vor einem Lehrerwechsel haben. Es hat oft nichts mit Kompetenz zu tun, sondern ob die Lehrerin ev. innerhalb der nächsten Jahre in Karenz gehen könnte und das Kind dann einen anderen Lehrer bekommt. Das könnte man ja dann sogar positiv auffassen :-).

Gast: Gastonia
05.10.2017 21:13

Weil...

...Es nicht das Gleiche Ist. Weil erst selber zu haben/gehabt zu haben vieles in der Sicht ändert. Selbst sich um Geschwister gekümmert zu haben kommt da nicht heran. Wirklich nicht. Damit ist nicht in Abrede gestellt, dass einer nicht ein Händchen für Kinder haben kann.