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Facebook hat dieses Werbevideo gesperrt, weil sich eine Frau darin nackt rasiert

Und sie wagt es, dabei nicht sexy zu sein!

Eine blonde Frau will sich rasieren und verbiegt ihren Körper dazu in unmögliche Posen. Auf der Bildebene werden ihre Haltungen mit Yoga-Positionen verglichen, salopp wird das Ganze Shoga (kurz für "Shaving-Yoga", also Rasur-Yoga) bezeichnet. Die Lösung liegt im beworbenen Rasur-Kit Friction Free Shaving, mit dem alles viel viel leichter sein soll und der Frau die letzte Shoga-Position in Form des ob glattrasierter Frauenhaut im Intimbereich entzückten Mannes beschert. Ende.

Das kann man lustig finden oder nicht. Toll ist die Frau in der Werbung. Ja, sie ist blond, ja, sie ist schlank. Aber weder hat sie wallendes, sanft im vorteilhaften Licht der Badezimmerbeleuchtung glänzendes Haar noch hüllt sie ihren ohnehin schon haarlosen Körper zum Rasieren in luxuriöse, dicke Frotteestoffe, oder lässt weiße Federn über die streichelzarte (danke an dieser Stelle an die Werbeindustrie für die Kreation dieses Wortes) Unterschenkel schweben. Sie sitzt auch nicht in sich bauschenden Gewändern auf einem Stein im Meer, während im Hintergrund ein Bananarama-Song passend zu den brandenden, tiefblauen Wellen ertönt.

"Wir wollten eine echte Frau"

Sie rasiert sich einfach nur in ihrem Badezimmer und ist dabei nicht besonders elegant, aber wer ist das schon. Außerdem ist sie nackt, das soll beim Rasieren auch vorkommen. Oder sie scheint zumindest nackt zu sein, die brenzligen Stellen Busen und Genitalbereich werden durch züchtige Balken verdeckt, im echten Leben trug die Frau einen Bikini bei den Aufnahmen. Es ist nichts sehen, das die Gemüter erregen könnte. Keine Nippel, keine Poritze, kein Venushügel. Alles brav, für Werbung im Prinzip aber recht realistisch.

Eine der GründerInnen des Start-Ups, Briar Keen, erzählt BuzzFeed News: "Wir wollten [die Werbung] mit einer echten Frau, nicht mit einem Model, in einem echten Badezimmer machen und sie sollte dabei nackt erscheinen, weil Frauen sich rasieren, während sie nackt sind."

Facebook sperrt Rasur-Video wegen "Nacktheit"

Eine realistische Darstellung - aber zu viel für Facebook: Auf der sozialen Plattform darf die Werbung nicht ausgespielt werden, Begründung: "implizierte Nacktheit".

"Es ist lächerlich, wenn man bedenkt, dass junge Mädchen in Spitzenhöschen und BH anzüglich in die Kamera schauen können, und das völlig okay ist, aber wir gesperrt werden", beschwert sich Keen. "Wir versuchen Tabus ums Rasieren aufzubrechen und das ist in keiner Weise sexuell." Sie wirft Facebook Sexismus vor. "Es ist total willkürlich. Ich verstehe, dass sie keine sexuellen Inhalte verbreiten, aber [in unserem Spot] geht es sowas von nicht um Sex. Es geht um Frauen, die sich rasieren."

Die Realität ist: Frauen werden in der Werbung gerne sexualisiert. Sie dürfen sexy, glücklich und nackert sein. Manchmal dürfen sie auch menstruierend in weißen Kleidern durch Straßen tanzen und danach mit gepflegten Händen ihre kleinen Frauenhände in Fäusten um Tampons schließen ("um die Regel da aufzufangen, wo sie passiert"). Sie dürfen selbst nur keine Realitäten zeigen.

Laut Buzzfeed bemühe sich Facebook, mit den Werbern zu einer Einigung zu kommen, die den eigenen Werberichtlinien entspreche. Also wahrscheinlich einen Bademantel beim Rasieren antragen. 

 

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