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Meinung: Warum ich Schenkelschande und Dellendebakel super finde

von

Im Rahmen des WIENERIN-Schwerpunktes #egalgewicht erklärte Martina Parker, warum Promi-Magazine ein großes Übel für das weibliche Körpergefühl sind. Kollegin Lucie Knapp ist da ganz anderer Meinung.

&quot;Cellulite für alle!&quot;

JetztLucie Knapp(Wienerin)

Im Rahmen des WIENERIN-Schwerpunktes #egalgewicht erklärte Martina Parker, warum Promi-Magazine ein großes Übel für das weibliche Körpergefühl sind. Kollegin Lucie Knapp ist da ganz anderer Meinung.

 

Als ich auf Facebook über den Onlineartikel von Nils Pickert (er ist Chefredakteur des feministischen Blogs pinkstinks.de) „Liebes Inside Magazin, ich hasse dich“ stolperte, war mein erster Gedanke: Diese Ausgabe muss ich mir kaufen. Ich habe den Artikel, in dem Pickert sich Sorgen um das Selbstbild seiner Tochter macht, total super gefunden. Word! Trotzdem wollte ich auch wissen, welcher Star wo genau wieviel Cellulite hat. Wenn ich im Urlaub dazu komme, sind Paparazzifotos von Promis am Strand eine Unterhaltung, die ich liebe. Und ich finde, man könnte solche Körper ruhig öfter zeigen - vielleicht muss man es sogar, wenn man ein verantwortungsvolles Medium sein will.

Bravo klärte mich auf

Denn im oder kurz vor dem Sommerurlaub, wenn man im Begriff  ist, sich der Öffentlichkeit nach langen Büromonaten erstmals wieder halbnackt (also im Bikini) zu stellen, sind Körper, Speck und Körperhaare einfach für viele Thema. Das läuft bei den wenigsten ohne Selbstzweifel ab. Auf einer Insel der Seeligen wüsste ich im Idealfall nicht, dass Cellulite überhaupt ein Ding ist. Ich hätte keine Ahnung, dass man sich für Hubbel an den Oberschenkeln schämen muss. Aber die Realität sieht anders aus. Mir hat das Bravo-Magazin mit 13 erzählt, dass Cellulite bäh ist. Von dieser abwertenden Idee wieder wegzukommen ist, meiner Meinung nach, fast unmöglich. Und Stars, die ihre retuschierten Popos in die Kamera halten (oder sich vier Wochen nach der Geburt von Zwillingen mit Wespentaille und Hotpants auf Instagram präsentieren wie Beyonce) helfen da nicht. Denn da taucht immer die Frage auf: Muss ich auch so aussehen? Muss ich das auch können? Ist das das Ziel?

Ich liebe Dellen-Dramen und Wampen-Wahnsinn

Was mir persönlich dann schon hilft, ist ein Realitätsabgleich. Schundmagazine wie Inside und das ehemalige Seitenblicke Magazin ermöglichen mir das mit ihren Star-Meuchelfotos. Sie zeigen - mit natürlich zweifelhafter Sensationslust und Schadenfreude - wie nicht perfekt die Stars doch sind. Und ganz ehrlich: Mich beruhigt, wenn ich eine Nahaufnahme von Beyonces Gesicht vor der Retusche sehe (Gott sei Dank – auch sie hat Poren), wenn ich die Oberschenkeldellen von Iggy Azalea gezeigt bekomme (Riesenpopos gibt’s nicht ohne Cellu – Fakt) und wenn ich sehe, dass auch Tyra Banks Speck an den Oberarmen hat (wie ich!). Ganz besonders mag ich übrigens die Männer-Ausgaben, in denen man die Dad-Bods, Bäuche und störrischen Brusthaare der James Bonds, Pierce Brosnans und Ethan Hawkes bewundern kann.

Auch Madonna scheißt

Zum Körper-positiv-sein gehört meiner Meinung nach auch, dass „Menschliches“ wie dieses in der Öffentlichkeit Platz hat. So sehen Körper aus. Man müsste sogar viel mehr davon sehen. Und mein Mitleid ist begrenzt, wenn eine Berühmtheit dann gekränkt reagiert. Sie sind Teil eines Systems, dass mitverantwortlich ist für viele unerreichbare Schönheitsideale. Sich dann nur perfekt operiert, inszeniert und retuschiert herzeigen zu wollen, hat nichts mit Body Positivity zu tun. Es reproduziert ein System, an dem viele leiden. Nicht falsch verstehen: Ich liebe schöne Bilder von schönen Menschen, aber es geht mir mit meinem Selbstbild besser, wenn ich hin und wieder sehe, dass das auch „nur“ Menschen sind. Mir hilft, wenn ich weiß, dass auch Leinwandgötter und Popgöttinnen aufs Klo gehen, schwitzen, Speck ansetzten, ab und zu Mundgeruch und eben gerne auch Cellulite haben. So ist das Leben – auch für die.

Die Bewertung ist das Problem

Ist das sensationslüstern und schadenfroh? Vielleicht ein bisschen, nur, was wirkt als Vorbild im Sinne der Selbstakzeptanz wohl eher bestärkend: eine immer perfekte, makellose Beyonce? Oder eine, die man einfach so sieht, wie sie ist, mit Fältchen, Poren und echten Oberschenkeln? Ich glaube Zweiteres.

Abwertende Kommentare, wie die der Inside, braucht es dazu allerdings nicht. Die bewerten auf recht tiefem Niveau und das kann sich negativ auf das eigene Körperbild auswirken. Nur fand ich halt sogar die Sprüche lustig: Schenkelschande und Dellendebakel sind kreativ. Debakel mein neues Lieblingswort. Horrorhumor sozusagen. Über Komplexthemen zu lachen ist nicht das schlechteste Mittel, um das Drama drumherum aufzulösen. Geben wir doch den nicht perfekten Körpern mehr Platz! Denn ohne die Bewertung sind es einfach nur Körper und was soll daran negativ sein?

 

VIDEO: Body Positivity im Wiener Gänsehäufel

 

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