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Blog: "Du bist nicht dick genug, um über den After Baby Body zu reden!"

von

Die junge Mama Ivy schreibt auf ihrem Blog über Körperideale und die absurden Ansprüche, wie eine Frau nach einer Geburt auszusehen hat. Die Reaktionen: Sie sei zu dünn und zu schön, um da überhaupt mitreden zu können.

&quot;Du bist nicht dick genug, um über den After Baby Body zu reden!&quot;

JetztKatrin Halbhuber(Wienerin)

Die 28-jährige Designerin Ivy Meyer lebt in Hamburg und ist vor einem Jahr zum ersten Mal Mutter geworden. Seitdem erzählt sie auf ihrem Blog www.ivy.li von ihrem Leben als Frau, Mama und Partnerin, und tut das mal lustig, mal nachdenklich. Vor kurzem hat Ivy ihre Gedanken zum "After Baby Body" und den absurden Körperidealen, denen vor allem junge Mütter nacheifern sollen, niedergeschrieben. Sie erzählt von ihrem persönlichen Kampf mit ihrem Körper und den Weg dorthin, sich selbst nicht nur zu akzeptieren, sondern tatsächlich zu lieben. Sie schreibt, warum sie weder #mombodygoals mit Sixpacks sehen will noch möchte, dass Dehnungsstreifen und hängende Brüste als der einzig wahre #mombody gefeiert werden.

"Denn genauso wie der Wahn um einen Körper ohne jegliches Gramm Fett ein vollkommen falsches Körpergefühl verbreitet, wird Müttern die in der Genlottery gewonne haben, beim Stillen mehr ab als zunehmen, eben einfach ganz fix wieder schlank sind und keine „Tigerstreifen“ haben das Gefühl gegeben, nicht zum Club der starken Mütter zu gehören. Es werden Körper aus der einen und anderen Richtung glorifiziert und vergessen, dass wir alle verschieden und trotzdem richtig sind."

Den Text bebildert Ivy mit Fotos von sich selbst in T-Shirt und Slip.

 

Das bin ich. 13 Monate nach der Geburt und 9 Kilo schwerer als noch vor 2 Jahren, dafür aber glücklich und zufrieden mit mir selbst. Ich habe lange mit meinem Körper, meinem Gewicht und der Nahrungsaufnahme gekämpft, aber seit dem greifbaren Wunsch meines Mannes und mir ein Kind zu bekommen, hat sich mein Verhältnis zu meinem Körper grundlegend geändert. Ich liebe ihn, ganz egal wie weich er ist, wie viele Dellen er hat oder wie schwer er ist. Und trotzdem gehe ich wieder joggen, achte mehr auf meine Ernährung und habe meine Lieblingshose von damals noch nicht aussortiert. Auf dem Blog findet ihr einen Artikel über den #afterbsbybody 💥, über Ideale die Druck ausüben, über Gegenbewegungen die ausgrenzen, unsere Rolle als Vorbilder und den Wunsch nach Veränderung. EDIT: Jo Diggis, es geht hier gar nicht darum meinen Körper zu bewerten, Komplimente zu machen oder mir vorzuwerfen ich hätte leicht Reden weil ich keine 100 Kilo wiege. Es geht darum, dass wir uns nicht weiter unter Druck setzten lassen sollten von dummen Idealen und hej! uns gegenseitig schlecht machen nur weil wir nicht dick genug sind um mal laut über den ganzen Körperwahn sprechen zu dürfen ist übrigens Teil des Ausgrenzungsscheißes den ich im Artikel erwähne. ❤ #mombody #bodypositive #women #strongwomen #strongmom #mama #momlife #motherhood #motherhoodunplugged #selflove #selbstliebe #selbstbewusstsein #postpartum #schwangerschaft #geburt #mamablogger #babybauch #bodypositivity #embrace #selflove

Ein Beitrag geteilt von Ivy | Mama | Bloggerin (@ivymaedchen) am

 

Mitreden darf nur, wer mindestens zehn Dehnungsstreifen hat?

Trotzdem kam prompt das retour, was Ivy anspricht: Kommentare und Leserbriefe, die Ivy das Recht absprechen, über Bodyshaming zu sprechen, weil "mein Körper noch zu sehr an den Idealen dran ist", wie sie es selbst in einem Folge-Posting formuliert. Sie schreibt weiter:

"Als ob es nicht schon schlimm genug wäre, dass wir von Außen so unter Druck gesetzt werden, mit unseren eigenen Körper kämpfen, nein, wir werden auch von denen angefeindet, die neben uns stehen sollten."

wienerin.at hat mit der Bloggerin über falsch verstandene Body Positivity, fehlende Solidarität unter Müttern und Frauen und Hasskommentare gesprochen.

 

Hattest du auch schon vor deinem Artikel zum „After Baby Body“ Hasskommentare bekommen?

Tatsächlich hielt es sich bis jetzt in Grenzen. Ich bekomme größenteils sehr positive Kommentare und habe Glück, eine wirklich herzliche Community um mich herum zu haben. Natürlich gibt es ab und an ein paar kritische Stimmen zu dem einen oder anderen Thema, aber wirklich ausfallend und verletztend wurde es erst beim „After Baby Body“. Die Menge an positiven Kommentare überwiegt zwar, aber trotzdem haben mich die negativen sehr getroffen. Ich kann mit Kritik umgehen, aber das was mir teilweise geschrieben wurde, war keine Kritik und hatte kein anderes Ziel als mich und die, die ebenso denken, zu verletzen.

 

"Ich sei nicht dick, nicht dellig, nicht unperfekt genug"

 

Was haben dir die UserInnen vorgeworfen?

Ich sei nicht dick genug, nicht dellig genug, nicht unperfekt genug, würde zu wenig Makel haben, nicht wissen wie es ist in einem Körper zu stecken der einen belastet. Ich würde nicht wirklich wissen, wie es ist, unter dem eigenen Körper zu leiden. Ich hätte kein Recht dazu, von Selbstliebe zu sprechen, weil es für mich doch so leicht sei mich selbst zu lieben. Mir wurde das Recht abgesprochen, über ein Thema kritisch zu sprechen, das mich selbst betrifft, das besprochen werden sollte, weil es so viele betrifft. Mir wurde vorgeworfen, alles nur aus der Sucht nach Komplimenten zu tun, um mich selbst besser dastehen zu lassen. Dabei habe ich viele Jahre mit mir und meinem Körper gekämpft und es war ein langer Weg, mich heute so zu lieben wie ich bin. All diese Vorwürfe und Unterstellungen haben mich sehr getroffen. Es geht nicht darum, wer es in den Augen eines anderen leichter oder schwerer hat, es geht darum, wie man sich selbst fühlt und wahrnimmt und in diesen Hasskommentaren wurde mir dieses Recht abgesprochen.

 

Bestärken dich diese negativen Reaktionen darin, dich weiter mit dem Thema auseinanderzusetzen?

Jein. Zu sehen, wie viele Menschen immer noch von einem Idealkörper ausgehen, macht mich wütend und traurig. Denn das tun sie wenn sie davon sprechen, dass es Leute schwerer getroffen hat als mich, oder ich es leichter als andere hätte. Ich weiß, dass man viel mehr über dieses Thema sprechen sollte, um immer wieder zum Nachdenken, Umdenken und an sich arbeiten anzuregen. Aber ich teile meine eigene Geschichte, meine Gefühle und diese lassen sich verletzen. Leichter als mir lieb ist. Mich lassen all diese Hasskommentare nicht kalt. Täten sie das, hätte ich sie nicht gelöscht und die Leute teilweise sogar blockiert.

 

Wie erlebst du den Umgang mit dem Thema Körperbewusstsein bei Frauen in deiner Umgebung?

Ich sehe so viele Frauen um mich herum, die immer noch einem krankhaften Schönheitsideal hinterher sind und die vieles in Kauf nehmen, um diesem zu entsprechen. Das ist so unglaublich schade und traurig. Und ich bekomme immer wieder mit wie über andere geredet wird. Über die „fette“ Mutti auf dem Spielplatz, oder das „dürre“ Mädel im Park. Das passiert bei den meisten unbewusst, gar nicht böse gemeint, weil es so in ihrem Denken verankert ist. Viele von ihnen applaudieren Plus-Size-Models, feieren meinen Artikel und versuchen trotzdem gleichzeitig nicht in Größe 38 zu rutschen. Bei vielen ist dieses Thema angekommen, aber bis sie sich wirklich damit auseinander gesetzt haben und sich von gesellschaftlichen Idealvorstellungen frei gemacht haben, wird es noch eine Weile dauern.

 

Woher kommt der Druck auf Mütter deiner Meinung nach?

Das ist gar nicht so leicht zu beantworten. Ich glaube, dass ein Großteil durch die Medien ausgeübt wird. Wir bekommen Bilder von Müttern gezeigt, die aus dem Krankenhaus spazieren als würden sie direkt auf den Laufsteg wollen. Wir sehen Mütter die, kaum aus dem Wochenbett raus, direkt ins Fitnessstudio ziehen, weil sie so schnell wie möglich jede Spur einer Schwangerschaft verschwinden lassen wollen. Uns wird gezeigt, dass es genauso sein sollte. In Filmen und Serien halten perfekt gestylte Frauen Neugeborene in den Armen. Uns fehlt mehr Realität. Wir haben in unserem Umfeld in der Regel kaum einen Bezug zu diesem Thema. Ich bin die erste in meinem Freundeskreis, die schwanger wurde. Ich konnte nie bei anderen sehen, wie ein Bauch nach der Geburt aussieht, wie sich ein Körper in der Schwangerschaft verändert. So geht es vielen. Aber wir sehen das, was uns in den Medien präsentiert wird und wir lassen uns davon beeinflussen und nehmen es uns als Vorbild.

 

Und warum sind es dann gerade Mütter, die untereinander so wenig Solidarität zeigen?

Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, woher der Konkurrenzkampf kommt, warum nicht zusammen gehalten wird und niemand einem anderen etwas gönnt. Für viele scheint es immer noch unglaublich wichtig zu sein, es grundsätzlich schwerer zu haben als andere. Ich habe mehr durchgemacht, mehr gelitten, mehr geleistet. Für viele ist das ein Weg, Anerkennung zu bekommen, die es vielleicht in ihrem näheren Umfeld nicht gibt. Kommt dann jemand, der es in deren Augen weitaus weniger „schlimm“ getroffen hat, muss dagegen gewettert werden. Und gleichzeitig ist es für viele so wichtig, es so leicht wie möglich aussehen zu lassen, nach der Geburt wieder wie ein Model auszusehen. Ich habe das mit links geschafft, das bisschen Sport und gesunde Ernährung ist doch ein Klacks. Vielleicht kommt das von dem gesellschaftlichen Druck, alles unter einen Hut zu bekommen, Mutter, Partnerin, Freundin und Frau zu sein, die für sich selbst und das Kind sorgen kann. Wie ein Schild auf dem steht „Ich bin stark, ich kann das“. Aber das sind bloß Vermutungen. Ich weiß nicht, warum unter uns so wenig Solidarität herrscht, warum dem anderen nichts gegönnt wird. Es macht mich einfach nur traurig.

 

Wie kommen wir da raus?

Ich würde jetzt gerne mit einer Patentlösung kommen. Aber die Gründe warum wir untereinander so wenig Solidarität zeigen, uns gegenseitig und uns selbst runter machen, sind so komplex. Ich glaube es ist ein Anfang darüber zu reden, damit das Thema den Leuten bewusst wird. Damit es überhaupt als ein Thema, über das gesprochen werden muss, wahrgenommen wird.

 

Über Ivy

Ivy Meyer ist 28, lebt mit ihrem Partner und ihrem einjährigen Sohn in Hamburg. Auf ihrem Blog schreibt sie über Lifestyle und Familienthemen.

Zu Ivys Artikel über Body Shaming.

Zu Ivys Folge-Artikel zu den Reaktionen.

Zu Ivys Instagram-Account @ivymaedchen.

 

 

VIDEO: "Kennen Sie Body Posivity?" Ein Besuch im Wiener Gänsehäufel

 

 

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