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Body Positivity: Das beste Mittel gegen den Beach Body? Der FKK-Strand!

von

Der erste Besuch in einem FKK-Bereich öffnet die Augen. Und das nicht nur, weil man aus dem Schauen nicht mehr rauskommt!

JetztKatrin Halbhuber(Wienerin)

Mein erstes Mal FKK ist irgendwie passiert. Ich war mit Mann und Kind auf der Suche nach einem ruhigen Platzerl an der Donau. Und auf einmal standen wir im FKK-Bereich. (Mittlerweile weiß ich: Die FKK-Bereiche sind immer die schönsten und gepflegtesten!)

Um mich herum waren also auf einmal lauter Nackerte. Meinem damals einjährigen Sohn war's wurscht, Kinder sind ja von Natur aus Nudisten. Ich trug meinen Bikini. Und kam mit dem Schauen nicht nach: alte Körper, junge Körper, Männer, Frauen, feste Hintern, hängende Brüste. Frauen, deren Busen ich schöner fand als meinen. Männerhintern, die mich hinter vorgehaltener Hand zum Schmunzeln brachten. Alles war da, der menschliche Körper in all seinen Formen und Farben, mit allen Spuren, die ein Leben hinterlässt.

Ein FKK-Ausflug erweitert zweifellos den ästhetischen Horizont. Im echten Leben gibt es eben mehr als den Größe-34-Körper und die festen Brüste.

In den ersten 15 Minuten habe ich also einfach nur gestarrt. Das war nur zu Beginn unhöflich. Sehr schnell fand ich die Menschen um mich herum einfach saucool. Und hab sie beneidet, darum, wie normal und selbstverständlich sie sich bewegen, ohne Kleidung, die hauptsächlich die eigene Scham bedecken soll.

"Lauter schöne Nackerbatzln!"

Neben mir lag eine Frau um die 60 auf ihrer Sonnenliege. Ich weiß nicht, was ihr zuerst aufgefallen ist, mein Glotzen oder mein Genierer, ich trug ja immer noch meine Badesachen. Sie sprach mich an, wir plauderten über mein Kind, das mit seinem Baby-Cellulite-Popsch zwischen den festen und den nicht mehr so festen anderen Pöpschen herumstrawanzte. Ich fragte sie, wie lange sie schon in den FKK-Bereich kam. „30 Jahre werden’s schon sein. Mein Mann hat mich mitgenommen. Den Mann gibt’s nimmer, aber beim FKK bin ich geblieben. Männer haben ja sowieso weniger Genierer als Frauen.“ Stimmt, der meinige hatte die Badehose auch schon an den Ast gehängt. Warum das so ist, fragte ich sie. „Ja, ich weiß auch nicht, wir Frauen sollen halt immer schön sein. Dabei ist’s doch ganz normal, dass irgendwann alles ein bisserl mehr nach unten hängt. Hier ist des wurscht. Schau, lauter Nackerbatzln, ein mancher vielleicht schöner als der andere, aber nackert sind wir alle!“
Wir plauderten noch ein wenig weiter, bis das Kind etwas von mir will und die Liegennachbarin sich wieder ihren Roman vertieft.

Der FKK-Strand ist das Gegenteil des Internets: Alle haben einen Körper, aber keiner redet drüber. Oder besser: fühlt sich genötigt, ständig darüber zu reden. „Ja, ich hab Cellulite. Geh ma auf an Spritzer?“

Runter mit der Wäsch'!

Ich empfehle einen Besuch am FKK-Strand, jedem Mann und jeder Frau. Insbesondere dann, wenn man sich unwohl fühlt im eigenen Körper, wenn man bei jedem Blick im Spiegel etwas an sich auszusetzen hat. Wer Kinder hat, soll sie mitnehmen. Und sich auch von den kleinen Menschen was abschauen in Bezug auf Sorglosigkeit, was das eigene Aussehen betrifft. Und ihnen gleichzeitig zeigen, wie unterschiedlich und unterschiedlich schön die Menschen sind. Dass sich fürs Nacktsein niemand zu schämen hat.

So ein Besuch mag kein Allheilmittel sein, aber er ist ein herrlich unaufgeregter Zugang zum Thema Körper und führt den Begriff „Beach Body“ genau dann ad absurdum, wenn man pünktlich zum Sommerstart wieder geneigt ist, diesem Ideal nachzulaufen. Und lässt einen mit einer kleinen, aber nicht unwichtigen Erkenntnis heimgehen: „Zum Teufel mit dem Genierer!“

(Ich hab meinen Genierer aka meinen Bikini dann auch noch zum Teufel geschickt. Für den Anfang blieb die Badehose an, body positive baby steps, quasi.)

 

VIDEO: "Body Positivity? Was macht ma da?" Ein Besuch im Wiener Gänsehäufel

 

 

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