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Augsburg: Kinder zerstören Kunstwerk, während Eltern einfach dabei zusehen

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In Augsburg wird ein Kunstwerk von Kindern zerstört - der Künstler ist wütend und schreibt einen offenen Brief.

JetztRed.(Wienerin)

Kunstwerke im öffentlichen Raum sind oftmals nicht wirklich als solche zu erkennen. Trotzdem bleiben sie: Kunst. Wie sehr das aber in die Hose gehen kann, zeigt ein aktueller Fall aus Augsburg.

Dort steht (oder stand) nämlich ein riesiger gelber Schwamm - ein Kunstwerk des Künstlers Michel Abdollahi. Die Installation "Der Schwamm" wurde erstmals 2016 in Hamburg ausgestellt und soll ein Zeichen gegen Hass und Rassismus sein. 

 

 

Doch der gelbe Schwamm wird immer wieder Zielscheibe von zerstörerischen Handlungen. In Hamburg wurde er bereits angezündet - wahrscheinlich aus rassistischen Motiven. In Augsburg jedoch ist er einer unschuldigeren Tätergruppe zum Opfer gefallen: Kindern. 

 

Für die Kinder ein Spielzeug - für den Künstler ein Ärgernis

 

Innerhalb von 24 Stunden wurde das Kunstwerk, das der preisgekrönte Künstler bewusst in den öffentlichen Raum gestellt hatte, nämlich von einer Gruppe von Kindern kaputt gemacht. Sie sprangen darauf herum, rissen Teile heraus und verteilten den gelben Schwamm so über den ganzen Platz. 

 

Dem Künstler gefällt das naturgemäß gar nicht. Deshalb hat er auf Facebook einen offenen Brief verfasst, der sich auch an die Eltern der Kinder richtet. Denn die haben tatenlos zugesehen. 

 

 

So schreibt er: "Viele Eltern standen teilnahmslos daneben, rauchten oder beschäftigten sich mit ihrem Handy. Dass ihre Kinder gerade öffentlich Vandalismus betrieben, interessierte sie kaum. Dass ihre Kinder den ganzen Platz mit Schaumstoff verschmutzen, genauso wenig. Sie beobachteten, wenn überhaupt, gelangweilt das Szenario oder ermunterten die Kinder dazu, weiterzumachen. Keiner bückte sich, um auch nur ein Stück Schaumstoff zu entsorgen, obwohl der Mülleimer daneben stand. Keiner ermahnte sein Kind."

 

"Die Kinder trifft keine Schuld. Aber die Eltern."

 

Das passierte, obwohl ein Schild am Kunstwerk befestigt war, das auf die Kunstaktion hinwies. "Die Kinder trifft keine Schuld. Aber die Eltern. Erwachsene beobachten seelenruhig wie etwas zerlegt wird. Es interessiert sie nicht mal, warum es da steht. Obwohl sie das Schild lesen und sich davor fotografieren, nehmen sie die Sachbeschädigung billigend in Kauf, ganz ohne Sorge, jemand könnte sie dafür verantwortlich machen. Dabei kann jeder einzelne dafür haftbar gemacht werden. Die Konsequenzen scheinen unwichtig. Anstatt sich mit dem Kind über das Werk auseinander zu setzen, passiert nichts. Anstatt das Kind zu ermahnen, passiert nichts. Das ist nicht hinnehmbar.


Wenn wir dieses Bild jetzt weitermalen und auf andere Situationen anwenden, was dann? Interessiert es genauso wenig, wenn die Kinder in die Radikalität abdriften? Wenn sie anfangen zu mobben und zu hassen?"

 

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Nicht alle verstehen die Reaktion des Künstlers. "Für Kinder schreit ein Riesenschwamm förmlich danach zerlegt zu werden. Sorry, aber damit muss man dann auch leben können", kommentiert eine Userin. "Nee, muss man nicht. Kinder müssen damit leben können, nicht alles kaputt machen zu dürfen - auch wenn es angeblich danach schreit", schreibt wiederum eine andere. 

 

Doch schließlich und endlich hat der Künstler mit seiner Installation Aufmerksamkeit erregt. Er ermahnt dennoch: "Der Umgang mit Kunst, seien es Dresdener die sich von Bussen provoziert fühlen, Hamburger von einer goldenen Wand oder die teilnahmslosen Augsburger Eltern und der Schwamm, lassen sinnbildlich tief in die Seele unserer Gesellschaft blicken. Und die sieht momentan ignorant bis düster aus."

 

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