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Embrace: Das kleine Einmaleins der Selbsthilfe von Taryn Brumfitt

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In ihrem Buch, der als Basis für den erfolgreichen Dokumentarfilm "Embrace" von Nora Tschirner diente, erzählt Taryn ihre persönliche Geschichte, vollkommen ehrlich und ohne die Dinge zu beschönigen.

JetztTaryn Brumfitt(Wienerin)

Beim Schreiben dieses Buches war es meine vorrangige Absicht, den Tonfall der Ratgeberliteratur zur Selbsthilfe auf alle Fälle zu vermeiden. Aber da ich gerade eine große Gruppe von BIM-Followerinnen (BIM steht für Body Image Movement, Anm.) gefragt habe, was sie denn gern lesen würden, wenn ich „hypothetisch“ ein Buch schriebe, antworteten fast alle dasselbe: Sag uns, wie du deinen Körper lieben gelernt hast.

Also werde ich gerne meine Top-Ten-Ansätze verraten und Ihnen eine Liste der wichtigsten „Dinge“ geben, die ich tue, um mit mir und meinem Körper im Reinen zu sein.

 

1: Lachen Sie!

Eines Tages telefonierte ich mit meiner Freundin Karen und wir unterhielten uns über unsere Körper. Ich erwähnte, dass ich meine Brüste anheben konnte wie ein benutztes Papiertuch, da antwortete sie: „Nun, meine hängen mir bis zu den Knien runter, im Winter könnte ich sie mir um den Hals wickeln und als Schal benutzen.“ Wir platzten beide fast vor Lachen, es war so herrlich, uns ein wenig über unsere Körper und darüber, wie sie sich über die Jahre verändert hatten, zu amüsieren. Viele Leute gehen etwas zu ernst an das Leben heran, ab und zu ist es gesund zu lachen, besonders auf eigene Kosten!

 

2: Geben Sie Ihr Geld klug aus und erhalten Sie einen Gegenwert dafür

Schauen Sie sich die Dinge an, wie sie wirklich sind. Nur unter uns Mädels: Den Firmen, die Augencremes verkaufen, sind die Falten an Ihren Augen völlig egal. Sie wollen sich Ihr Geld in die Tasche stecken, Ende der Geschichte. Die Firmen, die „Feminine Fresh“-Frischetücher für Ihre Vagina verkaufen, wollen auch nur Ihr Geld. Und Ihrer Vagina geht es besser, wenn sie nicht mit einem chemiegetränkten Lappen vollgeschmiert wird. Frauen geben eine Menge Geld für Pflegeprodukte aus, soviel steht fest, und ich habe das auch einmal gemacht. Aber als ich anfing, meinen Körper als Hilfsmittel und nicht mehr als Schmuckstück zu behandeln, änderten sich meine Prioritäten, und das Geld, das ich bisher in „Schönheit“ investiert hatte, wurde stattdessen für Gesundheitsprodukte und in Bildungsangebote gesteckt, die meine Seele und meinen Geist fütterten. Ich verspreche Ihnen, das Geld, das Sie in Massagen, Yogastunden, Tanzkurse, Aromatherapie-Öle und gute Musik investieren, wird Ihnen mehr Rendite bringen als eine Wundercreme, die Sie auf Ihre Haut schmieren!

 

I can't wait to see #tarynbrumfitt tonight... @bodyimagemovement 💝🦋🙏🏻🌈⭐️

Ein Beitrag geteilt von Chrissy Taylor (@crissybell22) am

 

3: Laufen Sie nackt herum!

Ziehen Sie sich aus! Ich laufe im Haus so oft es geht nackt herum – wenn das Wetter es zulässt. Ich bin zwar keine Nudistin im eigentlichen Sinne (ich kenne allerdings welche, die sehr von diesem Lebensstil überzeugt sind), aber ich liebe das Gefühl von Freiheit und Befreiung, das vom Eins-Sein mit meinem nackten Körper kommt. Ich glaube, es tut auch meinen Kindern gut zu sehen, dass ich mich in meinem Körper wohlfühle, und es gibt ihnen die Gelegenheit, Fragen nach dem Unterschied zwischen ihren Körpern und meinem zu stellen.

Sie stellen Fragen wie: „Mummy, warum ist dein Bauch so groß?“, und ich antworte: „Das liegt daran, dass ihr da drin gewachsen seid und Mami soooo weit ausgedehnt habt!“ (Dabei mit einer ausgreifenden Handbewegung zeigen, wie groß der Bauch damals war!) Sie lieben Geschichten darüber, wie sie in meinem Bauch waren. Ich erhalte auch oft Fragen über meine Vagina. „Mum, warum hast du da Haare?“, worauf ich antworte: „Nun mein Schatz, wenn du ein Teenager wirst, fängt dein Körper an, sich zu verändern und erwachsen zu werden, und Erwachsene haben Haare, manche mehr als andere, Haare unter den Armen und an den Beinen, es gehört einfach zum Menschen dazu!“ Wenn Sie normalerweise nicht nackt im Haus herumlaufen, probieren Sie mal, nackt Wäsche aufzuhängen. Machen Sie es einfach, es wird sicher der langweiligen Routine etwas „Prickeln“ verleihen!

 

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4: Pflegen Sie Ihren Bekanntenkreis wie einen Garten

Viele Leute sind schon in mein Leben gekommen und haben es auch wieder verlassen. Es ist einfach so, dass unterschiedliche Leute einen zu unterschiedlichen Zeiten im Leben bereichern, und aus unterschiedlichen Gründen. Was ich in den letzten Jahren sehr bewusst getan habe war, die „schlechten Pflanzen“ aus meinem Freundschaftsgarten auszujäten. Ich bin sicher, dass auch Ihnen ein Bekannter oder zwei einfallen, die sich Ihnen gegenüber negativ verhalten haben oder eine neue Aktivität nicht guthießen, die immer einen Kommentar auf Lager haben oder die Augen verdrehen. Es klingt wirklich hart, aber wenn es keinen guten Grund gibt, diese Leute in seinem Leben zu behalten, sollte man sie daraus streichen.

 

5: Glauben Sie an sich selbst

Was mich die längste Zeit davon abgehalten hat, meinen Körper und meine Persönlichkeit so zu lieben, wie ich bin, war der Mangel an Glauben an mich selbst. In dem Moment, in dem ich ein Stückchen Selbstvertrauen fand, fand ich Hoffnung. Als ich daran glaubte, mich verändern zu können, fühlte ich Hoffnung für meine Zukunft. Wie aber kam ich an diesen Punkt des Selbstvertrauens, fragen Sie? Es passierte nicht wie ein Blitzschlag und gewiss auch nicht über Nacht, es fing langsam an und ich baute es über die Zeit auf, wie einen Muskel. Ich denke, dass ich genug von mir und meinen inneren Zwiegesprächen mitgeteilt habe, damit Sie erkennen können, wie schlimm meine Körperbildprobleme waren. Und jetzt sehen Sie, dass ich da bin, wo ich heute stehe. Ich hoffe, dass Sie auf die eine oder andere Art Mut aus meiner Geschichte schöpfen können und Sie sollen wissen, dass Sie mit Ihrem Kampf nicht allein dastehen, wir haben alle unsere ganz eigenen Probleme in unseren Leben, aber wir haben auch die Macht, große Veränderungen zu bewirken.

 

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6: Brechen Sie Regeln!

Ja, bitte, brechen Sie die Regeln, denn Sie können es! Nur weil Sie etwas immer auf eine bestimmte Art gemacht haben, ist es nicht unbedingt die richtige oder die einzige Art. Ich breche die Regeln gern beim Essen. „Gegessen wird am Tisch und mit Messer und Gabel“ – laaangweilig! Ich werfe das Essen gern auf eine große Platte und setze mich zum Essen mit den Kindern auf den Rasen hinterm Haus, oder wir essen indisches Essen mit den Fingern, für eine kulturelle Erfahrung, die die Kinder nicht so schnell vergessen! Essen ist ein relativ „sicheres“ Feld zum Regelbrechen, es gibt „wildere“ und „leichtsinnigere“ Aktivitäten, die man sich dafür aussuchen kann.

Wie durch den Regen zu laufen – es macht so viel Spaß, durch den Regen zu laufen. Für mich ist daran ein bisschen störend, dass ich Brillenträgerin bin, aber jedes Mal, wenn ich durch Regen gelaufen bin, war es ein Riesenvergnügen. Und wenn Sie an eine matschige Stelle kommen, laufen Sie durch und spritzen Sie sich den Schlamm auf die Beine. Man sieht dann zwar aus, als hätte man Fußball gespielt, aber es macht einen irren Spaß!

 

Die weiteren 4 Ansätze können Sie im Buch von Taryn Brumfitt lesen.

Heel

 

Über das Buch 

In Zeiten von Diätenwahn, Fotoretusche und unrealistischen Schönheitsidealen fällt es schwer, den eigenen Körper umstandslos zu akzeptieren und zu lieben. So ging es auch der Autorin Taryn Brumfitt. Nach drei Geburten, einer geplanten (und wieder gecancelten) Schönheitsoperation, einer Fitness-Karriere und zahlreichen, von Selbsthass geprägten Momenten vor dem Spiegel kommt sie schließlich zu der Erkenntnis: Es ist nicht mein Körper, den ich ändern muss, sondern meine Einstellung zu mir selbst!

In ihrem Buch, der als Basis für den erfolgreichen Dokumentarfilm von Nora Tschirner diente, erzählt Taryn ihre persönliche Geschichte, vollkommen ehrlich und ohne die Dinge zu beschönigen. Sie berichtet vom Verlust ihres Bruders, davon, wie persönliche Mobbingerfahrungen in der Schule sie prägten, und wie sie nach der Geburt ihres ersten Kindes erbittert gegen ihren eigenen Körper kämpfte. Geistreich und humorvoll bringt sie auf den Punkt, warum das Leben viel zu kurz ist, um es mit Selbstzweifeln zu verbringen - Schluss mit Bodyshaming!

Taryn Brumfitt: Embrace – Du bist schön.

ca. 192 Seiten, Paperback, 151 x 223 mm, Bildstrecke mit ca. 40 Fotos, ISBN: 978-3-95843-603-9, €(D): 14,99

 

Video: Ist das Gänsehäufel die Hochburg der Body-Positivity?

 

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