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Interview: Sophie Frank: "Im Jahr 2017 kann man offenbar noch immer mit kurzen Haaren aufregen"

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Die 26-jährige Sophie Frank, Model und Studentin, will anderen Frauen zeigen, dass sie ihren Körper lieben können - trotz aller falschen Ideale, die uns vorgelebt werden.

JetztJelena Gučanin(Wienerin)

Wie viel Feminismus verträgt die Modebranche? Ein Thema, über das die Wienerin Sophie Frank täglich nachdenkt. Als Model hat die 26-Jährige einige schlechte Erfahrungen im Modebusiness gemacht, und genau deshalb geht sie damit an die Öffentlichkeit. „Die Körperideale und Vorstellungen davon, wie Frauen auszusehen haben, sind noch immer sehr klischeebehaftet“, sagt sie. Als Frau mit kurz geschorenen Haaren ist die junge Frau eine Ausnahme in der Branche und muss sich deswegen auch vieles anhören – etwa, dass sie „zu avantgardistisch“ sei, als „Typ nicht gefragt“, oder dass ihre Maße „unpassend“ seien.

Sie aber will andere, positive Bilder in die Welt setzen. „Frauen soll nicht mehr das Gefühl vermittelt werden, ständig anderen gefallen zu müssen“, sagt sie. Auf ihrem Instagram-Account verbreitet Sophie Frank genau diese Botschaft – ehrlich und authentisch. 

 

Im Interview erzählt Sophie Frank, wie hart der Job als Model ist, warum ein Haarschnitt im Jahr 2017 noch immer für Aufregung sorgt und wie sie gelernt hat, ihren Körper zu akzeptieren. 

 

Du setzt dich als Model kritisch mit der Branche auseinander. Welche Erfahrungen hast du beim Einstieg in den Job gemacht?

Sophie Frank: Ich habe vor einigen Jahren angefangen, neben meinem Studium zu modeln. Das war von Anfang an ein bisschen schwierig, weil ich als Typ nicht gefragt war. Österreich ist in dieser Hinsicht noch sehr verschlafen. Ich war immer kurzhaarig – und sie wollten immer diese superschlanken, langhaarigen Frauen mit großen Augen. Das bin ich einfach nicht. Und der Branche bin ich „zu avantgardistisch“. Anscheinend ist das, womit man heute immer noch am meisten schockieren kann, der Haarschnitt.

 

Welches Ereignis aus dieser Zeit ist dir besonders negativ in Erinnerung geblieben?

Ein Schlüsselerlebnis war, als mir einmal eine Modelkollegin, nachdem sie meine Fotos angeschaut hat, gesagt hat, dass wenn man mich so sehen würde, nie glauben würde, dass ich Model bin. Aber dass ich auf den Fotos eigentlich eh ganz gut aussehe. Das war für mich ein Moment, wo ich mir gedacht habe, dass der Umgang in der Branche einfach komplett falsch ist und dass dadurch so viel Schlechtes ausgelöst werden kann.

 

Ich habe mit 13 noch Pullover mit Teddybären angehabt – und jetzt ziehen die Mädchen Crop Tops an.
Sophie Frank

 

 

Mit welchen Vorurteilen sind kurzhaarige Frauen konfrontiert?

Manche reagieren sehr gut, und finden es toll, dass ich „anders“ bin. Ein Arbeitskollege hat mir aber einmal gesagt, er wäre sehr schockiert gewesen, als er mich zum ersten Mal gesehen hat – weil er nicht wusste, was der Hintergrund meiner Frisur sei. Als müsste ich einen Hintergrund dafür haben! Wir leben immerhin im 21. Jahrhundert. Ein zweites Erlebnis war auch sehr eindrücklich: ich habe auf Instagram ein Foto mit meiner Schwester gepostet – und irgendein Fremder schrieb darunter: „Die eine schaut aus wie eine Lesbe.“ Erstens: was bewegt einen Menschen zu so etwas? Und zweitens: wie sieht eine Frau aus, die eine andere Frau liebt? Genauso wie es mit Frauen mit kurzen Haaren gibt, die Männer lieben, gibt es Frauen mit langen Haaren, die Frauen lieben. Da ist offenbar doch noch mehr zu tun, als man irgendwie glaubt.

 

Ein österreichisches Frauenmagazin hat ein Ranking gemacht von „Top 10 Frisuren, auf die Männer nicht stehen.“ Und ein Foto von dir war auch dabei. Wie kommt so etwas überhaupt zustande?

Im ersten Moment war das schon ein Schock. Sie haben das Foto natürlich ohne Erlaubnis verwendet. Es war sogar eines, mit dem ein Frisuren-Wettbewerb gewonnen wurde. Aber abgesehen davon: Männer, die meine Frisur nicht gut finden, interessieren mich sowieso nicht. Das dahinterliegende Problem ist aber, dass Frauen ständig das Gefühl vermittelt wird, sie würden irgendwem besser gefallen, wenn sie irgendwas anders machen würden. Das Ich-Bewusstsein und die Selbstakzeptanz müssen viel stärker gefördert werden.

 

HALLO HALLO ich muss mich kurz aufregen. Vor 4 Jahren wurde ein Foto von mir von einem der größten österreichischen Frauenzeitschriften genommen und unter die Top10 der für den Mann unattraktivsten Frisuren gesetzt (ohne Bildrechte versteht sich). Seit Jahren (und auch gerade wieder aktuell) kann ich mir anhören, ich würde ausschauen 'wie eine Lesbe'. Mir wird gesagt, man wär schockiert wenn man mich sieht,weil man ja nicht wüsste,welche Intention hinter meiner Frisur steckt. 'Aber wenn man dich kennen lernt bist du eigentlich eh nett.' WOW Danke WTF 1. Die Prinzen die mit meiner Frisur nicht klar kommen interessieren mich nicht 2. Wie bitte schaut man aus wenn man als Frau eine Frau liebt? 3. Nein-nicht mal Nazi. Please-man muss nicht immer alles kommentieren - Goschn halten ist manchmal auch ok. SO. Was ich aber sagen möchte-BITTE weder ich noch irgendeine andere Frau muss ihre Weiblichkeit durch die Länge ihrer Haare oder einem anderen Menschen definieren. Danke.Bussi.Ciao.

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Weil du Instagram angesprochen hast: hast du das Gefühl, die Plattform hat einen negativen Effekt auf junge Frauen?

Das kommt ganz stark darauf an, wem man folgt – und wer man als Person ist. Natürlich kann das nach hinten losgehen. Wenn es nur noch um Schlankheit und Schönheit geht, wird ein ganz falsches Körperbild transportiert. Niemand sieht im echten Leben so aus. 

Auf der anderen Seite hat die Plattform auch gute Seiten, weil man sich gut austauschen kann, und auch für etwas aufstehen kann. Es finden sich plötzlich so viele, die einen unterstützen und loben. Es ist so selten geworden, dass man im normalen Alltag etwas Nettes zueinander sagt. Die Welt ist so schnelllebig und man muss schauen, dass man einander unterstützt. Für mich ist das total wichtig, weil ich selber eine schwierige Zeit hatte, in der ich Hilfe gebraucht habe. Denn man muss nicht alles alleine schaffen.

 

Wir sollten uns alle an der Nase nehmen, wie wir anderen gegenüber Dinge ausdrücken. Denn manchmal sind es nur kleine Wörter oder Sätze, die bei den anderen etwas viel Größeres auslösen können.
Sophie Frank

 

Wie viel Feminismus verträgt der Beruf Model eigentlich?

Nicht sehr viel (lacht). Bei mir war es immer ein „Problem“, dass meine Maße nicht dem „Ideal“ entsprochen haben, weil mein Körperbau einfach immer schon breiter war. Ich kann auch abnehmen, was ich will und ich werde immer breite Schultern und einen breiten Brustkorb haben. Deshalb habe ich öfters gehört: „Das Kleidungsstück sieht an einer anderen doch besser aus.“ Es ist schwierig, dann nachhause zu gehen und zu sagen: Ich bin gut so, wie ich bin. Aber mit dem Alter kommt bei mir auch das Selbstbewusstsein zu sagen, dass ich mir von niemandem mehr einreden lasse, wie ich auszusehen habe. Schließlich habe ich mich auch von meiner Agentur getrennt, und mache seitdem freie Projekte, bei denen ich mich wohlfühle und mich wiedererkenne. Und das ist das Wichtigste.

 

💖 . . . #photographer @liebentritt.photo #ApesframedxFarewelldearghost #pinknoise #behindthescenes

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Hat es lange gebraucht, bis du deinen Körper akzeptiert hast?

Ja. Ich war jahrelang magersüchtig und bulimisch. Umso wichtiger ist es mir jetzt, den Draht zu meinem Körper nicht mehr zu verlieren. Ich habe mich schon einmal wo hintreiben lassen, wo ich nicht hinwollte. Da braucht mir auch niemand sagen, was vielleicht schöner an mir wäre – denn es ist voll in Ordnung für mich, genauso zu sein, wie ich bin.

 

Inwiefern befeuern Sendungen wie „Germany’s Next Topmodel“ Essstörungen & Co.?

Komplexe, glaube ich. Viele junge Frauen denken da zum ersten Mal drüber nach, was an ihnen nicht passen könnte. Mit 12 macht man sich ja sonst keine Gedanken drüber, ob der eigene Hintern zu dick ist. Junge Mädchen werden da viel zu schnell erwachsen. Wenn ich mir jetzt 14-Jährige ansehe, könnten die genauso gut 18 sein. Das ist schade. Denn die Kindheit ist wichtig und die sollte man ihnen lassen. Ich habe mit 13 noch Pullover mit Teddybären angehabt – und jetzt ziehen die Mädchen Crop Tops an. Das ist auch das, was mich am Modelbusiness so schockiert: mit 15 sollte noch niemand auf einen Laufsteg geschickt werden. Es ist ein hartes Business. Es geht nur darum, wie du aussiehst. Und da halbfertige Persönlichkeiten auszunutzen, ist sehr gefährlich. Es sollte ein Alterslimit – genauso wie ein Gewichtslimit – geben. Wenn ich noch eine Doku darüber sehen muss, wie einem Designer selbst superschlanke Mädchen zu dick sind, dann wird mir richtig schlecht.

  

Findest du, sollten Begriffe wie "Plus-Size-Model" abgeschafft werden? 

Ich find's schwierig, ja. Man wird abgestempelt. Weil man ein Zusatzwort braucht, um zu begründen, dass man Model ist - und nicht weil man einfach diesen Beruf ausübt. Das ist ein Abtun der Models, und es bringt eigentlich niemanden weiter. 

 

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