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Angst: Warum italienische ÄrztInnen keine Abtreibungen durchführen wollen

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In Italien sind Abtreibungen zwar erlaubt - dennoch weigern sich viele ÄrztInnen sie durchzuführen. Aus Angst um ihre Karriere.

JetztRed.(Wienerin)

Geschichten von Frauen, die für ihre Abtreibung von ÄrztInnen und Pflegepersonal an den Pranger gestellt werden, gibt es im konservativen Italien zuhauf. 

Wie das deutsche Magazin Der Spiegel berichtet, ist es für viele Italienerinnen fast unmöglich, einen Arzt/eine Ärztin für eine Abtreibung zu finden. Denn viele wollen keine Schwangerschaftsunterbrechungen durchführen - aus Angst, damit ihrer Karriere zu schaden. Und das obwohl Abtreibungen seit fast 40 Jahren erlaubt sind. Bis zum 90. Tag der Schwangerschaft dürfen Frauen in Italien nach einem Beratungsgespräch eine Abtreibung machen lassen.

"Abtreibungen werden als schmutzige Arbeit angesehen. Nicht-Verweigerer arbeiten oft in einem feindseligen Umfeld. Manchmal verwehren andere Ärzte oder das Pflegepersonal ihre Hilfe oder behindern einen bei dem Eingriff", wird Silvan Agatone, Frauenärztin in einem römischen Krankenhaus und Mitgründerin des Ärzteverbandes Laiga, zitiert. Nur eine der fünf Universitätskliniken, die in Rom GynäkologInnen ausbilden, führt Abtreibungen durch.

Bis zu 85 Prozent der ÄrztInnen verweigern den Patientinnen eine Abtreibung

Landesweit verweigern 70 Prozent der ÄrztInnen die Durchführung einer Abtreibung, laut den offiziellen Zahlen des Gesundheitsministeriums. In sehr konservativen Teilen Italiens seien es sogar bis zu 85 Prozent. In manchen Regionen des Landes gibt es kein einziges Krankenhaus mehr, das den Frauen diese medizinische Dienstleistung zur Verfügung stellt. 

Denn das Gesetz macht es ÄrztInnen und PflegerInnen möglich, Abtreibungen aus ethischen oder religiösen Gründen zu verweigern. Erst im Februar dieses Jahres ist darüber eine hitzige Debatte entflammt. Auslöser war die Stellenausschreibung der Gesundheitsbehörden in Rom, in der ausdrücklich GynäkologInnen gesucht wurden, die die Durchführungen von Abtreibungen nicht ablehnen.

 

Die Folgen der Verweigerungen: Jene ÄrztInnen, die Unterbrechungen durchführen, sind meist voll ausgelastet. Außerdem gibt es ernstzunehmende gesundheitliche Folgen für die betroffenen Frauen. Jene, die nicht rechtzeitig einen Arzt/eine Ärztin finden, versuchen dann illegal mit Abtreibungspillen aus dem Internet oder bei nicht ausgebildeten ÄrztInnen abzutreiben. Und das kann lebensgefährlich sein. 

Die Situation in Italien bleibt international nicht unbemerkt. Der Europarat hat das Land bereits mehrmals gerügt, weil das Abtreibungsrecht der Frauen in Gefahr ist. 

 

 

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