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Schöne Aussichten: Bitte ein bisschen mehr Sch***-Drauf-Mentalität: Warum mit 30 die Welt auch nicht untergeht

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Viele haben Angst davor, 30 zu werden. Mir ist das ein Rätsel. Über das Älterwerden und die sehr schönen Seiten daran.

JetztJelena Gučanin(Wienerin)

„Dinge, die du mit 30 nicht mehr tragen solltest.“ „Das darfst du mit 30 nicht mehr machen.“ „Diese 5 Lebensmittel solltest du nicht mehr essen, wenn du über 30 bist“. Aufreizende Kleidung, Party machen und fettiges Essen sind demnach tabu für alle, die den 30er bereits hinter sich haben. Mir steht er zwar erst bevor, aber ich frage mich dennoch: Wo genau ist das Problem?

Das Internet überhäuft uns Frauen mit Ratschlägen und fragwürdigen Tipps darüber, was wir nicht mehr tragen/machen/lesen/kaufen sollen, sobald wir die magische Altersgrenze von 30 überschritten haben. Um zum Schluss draufzukommen, dass das Wichtigste in diesem Alter ist, häuslich zu werden und kochen zu lernen. Alles was den Ruf ruinieren könnte (und Spaß macht), muss aus dem Leben gestrichen werden. Auweia.

Screenshot Google

Doch auch abseits der Medienwelt, ist es für viele Menschen offenbar ein Riesenproblem, 30 zu werden. Nicht umsonst packen den ein oder anderen zu dieser Zeit die ersten Anzeichen einer Midlife Crisis oder Schlimmeres. Viele meiner FreundInnen wollen den 30er nicht einmal feiern, weil es „zu deprimierend“ ist.

Aber warum haben eigentlich alle so ein Problem damit, in dieses Alter zu kommen? Meist komme ich dann mit der unpopulären Aussage daher: "Ich freu' mich aufs Älterwerden." Und das hat gute Gründe.

Warum das Älterwerden schöne Seiten hat

Zuallererst: die Gleichgültigkeit. Um nichts auf der Welt würde ich mit meinem 18-jährigen, unsicheren, wackeligen Ich tauschen wollen. Mit dem Alter kommt das Selbstbewusstsein, über den Dingen zu stehen - und vieles Unwichtige auch einfach unwichtig sein zu lassen. Was früher für Schweißperlen sorgte, entlockt mir heute nur noch ein unaufgeregtes Schulterzucken.

Mit der Gleichgültigkeit gegenüber dem Unwichtigen, wächst aber auch etwas Anderes: die Wertschätzung gegenüber Dingen, die wirklich zählen. Die sind von Mensch zu Mensch natürlich sehr unterschiedlich. Doch wir können uns alle darauf einigen, dass sich die Prioritäten mit zunehmendem Alter ändern, und die kleinen, banalen Momente der Glückseligkeit immer wichtiger werden. 

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Mit neuen Prioritäten kommt auch neue Verantwortung. Und mit der muss man erst einmal umgehen lernen. Worum sich früher die Eltern gekümmert haben, das wird spätestens mit 30 auf die eigene To-Do-Liste gesetzt. Das kann natürlich beängstigend sein, doch es birgt auch enormes Potenzial. An Herausforderungen wächst man schließlich. 

Ältere Menschen sind laut Wissenschaft sogar glücklicher

Die Stärke, damit umzugehen, wird nämlich auch größer. Das heißt: wir können endlich dafür einstehen, was wir wirklich wollen und trauen uns, unsere Meinung laut auszusprechen. So lassen sich nicht nur tragische Momente, sondern auch alltägliche Verpflichtungen leichter verarbeiten. Auch alleine. 

Ariel Lustre

Dass es wirklich besser wird, wenn man 30 wird, beweist übrigens auch die Wissenschaft. Zwischen 20 und 30 leidet man eher an Depressionen, Angstzuständen und innerer Ruhelosigkeit - so eine Studie der University of California. Anders sieht das aber für Über-30-Jährige aus: 90 Prozent der 30- bis 40-Jährigen sind zufrieden mit ihrem Leben, wie das Forschungsinstitut Forsa herausfand. 

Wir sollten das Älterwerden also nicht fürchten, sondern uns darauf freuen. Aber bitte nicht mit irgendwelchen Verboten, sondern mit genauso viel Leichtsinn und Neugier wie früher, und zusätzlich einer gesunden Portion Sch***-Drauf-Mentalität. 

 

Zur Kolumne

In dieser wöchentlichen WIENERIN-Kolumne richten wir den Blick auf Geschichten, die uns im positiven Sinn bewegen.

Über ihre "Schönen Aussichten" schreiben abwechselnd die WIENERIN-Autorinnen und -Autoren Barbara Haas (Chefredakteurin), Ursula Neubauer (stellvertretende Chefredakteurin), Jelena Gučanin (Redakteurin), Ljubiša Buzić (Textchef).

 

 

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