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ORF: Wir müssen über Niki Hosp und die Dancing-Stars-Jury reden

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"Du siehst nicht weiblich und nett aus". Wie kann es sein, dass eine Frau sich über zwei Monate Sätze wie diesen anhören muss?

Dancing Stars

JetztKatrin Halbhuber(Wienerin)

Heute Abend steigt das Finale der elften Staffel der ORF-Show. Kurz davor schied vergangene Woche Ex-Skirennläuferin Niki Hosp aus - nachdem sie sich knapp zwei Monate von der Jury anhören musste, wie unweiblich sie sei:

"Mir fehlt die Weiblichkeit in der Bewegung" - Juror Dirk Heidemann

"Sie müssen Ihren Körper von einem Muskelpaket in ein graziles Werkzeug verwandeln" - Jurorin Karina Sarkissova

" (...) Und deswegen schaust du nicht weiblich und nett aus" - Juror Balazs Ekker

Ein starkes Stück, wenn man sich vorstellt, dass man das Woche für Woche ins Gesicht bekam. Kein Wunder, dass die ehemalige Spitzensportlerin live auf Sendung meinte, sie würde wieder mitmachen - "aber ohne Jury".



Wie so oft im Leben sollte man, bevor man jetzt sagt, "na geh, jetzt seid's doch nicht so, ist doch alles nicht so ernst", darüber nachdenken, wie es denn auf der anderen Seite ausschaut - nämlich dann, wenn ein männlicher Ex-Spitzensportler plötzlich auf dem Tanzparkett steht.

Männer und Frauen - wieder einmal unterschiedlich bewertet

Immer wieder nehmen ehemalige Spitzensportler die Dancing Stars-Herausforderung an: Frenkie Schinkels, Hubert Neuper, Thomas Morgenstern. Skifahrer Rainer Schönfelder gewann sogar die achte Staffel. Allesamt auf Grund ihrer spezifisch trainierten Körper meist etwas steif in Bein und Hüfte, allesamt eher patschert als stromlinienförmig. Aber: Das finden Zuschauer und vor allem Jury lustig. Sympathisch. Weil die Männer haben ja Humor und nehmen sich selbst nicht so ernst und mit einem flotten Spruch auf den Lippen fällt auch die steife Hüfte nicht mehr so auf.

Anders bei Niki Hosp: Im Tanzsport haben Frauen offensichtlich schlank, geschmeidig, elegant zu sein. Eigenschaften, die man Niki Hosp offensichtlich auf Grund ihres trainierten Körpers und ihrer Körpergröße abspricht. Sie habe immer noch ihre Skischuhe an, attestierte die Jury in Bezug auf ihre Art, sich zu bewegen. Offensichtlich muss den Frauen, den von Natur aus grazilen Wesen, das Tanzen im Blut liegen, so hart wie sie kritisiert werden. Da wird der falsche Schritt, die falsche Handhaltung nicht mit einem Spruch weggescherzt, das muss schon gscheit ausschauen - und vor allem "weiblich".

Wer definiert, was "weiblich" ist?

Genauso wie Frauen heutzutage ihren Körper nicht mehr beurteilen lassen wollen, sich bewerten lassen wollen und genug haben von einem „perfekten Beach Body“, genauso muss Schluss sein mit dem Bild von der grazilen, passiven, schwebenden Frau als Inbegriff der Weiblichkeit. Eine Spitzensportlerin wie Niki Hosp, die im Laufe ihrer Karriere viel Ehrgeiz, Erfolg und Mut gezeigt hat, sollte sich jetzt nicht anhören müssen, dass sie unweiblich ist. Vor allem, weil das auf höchstpersönlicher Ebene verletzend ist, aber auch, weil wir darüber endlich hinaus sein sollten, dass Frauen nur in Schema F vorkommen.

Ja, man muss Shows wie Dancing Stars, in der sich Promis an Walzer und Salsa versuchen, nicht unbedingt ernst nehmen. Wiederholte Beleidigungen live im Fernsehen aber schon.

 

 

 

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