< Zur Mobilversion wechseln >

Meinung: Liebe Heidi, verschwinde endlich mit deiner Horror-Show

von

Wenn man meint, man hat schon alles an Grauslichkeit in dieser Welt gesehen, überbietet sich Heidi Klum mit ihrer Horror-Show jedes Mal aufs Neue. Zehn Minuten reichen, um die gesamte Menschheit zu hinterfragen.

Germany´s Next Topmodel 2016

JetztJelena Gučanin(Wienerin)

„Shoot Out“. So heißt das letzte, finale, spektakuläre, alles-entscheidende Live-Shooting, bei dem die zwei Finalistinnen von „Germany’s Next Topmodel“ vor einem peinlichen Fotografen um ihr Leben posieren. Denn ja: Wenn man sich das Finale von "Germany’s Next Topmodel" ansieht, könnte man wirklich glauben, es geht um nicht weniger als Leben und Tod. (Dabei ist das einzig Handfeste, das beim Sieg rausschaut, ein hässlicher Opel.)

„Gebt noch einmal alles, lasst die Augen leuchten!“, schreit Heidi Klum. Ich starre den Fernsehbildschirm ungläubig an, und denke mir: Wenn das der Gipfel unser Zivilisation sein soll, na dann gratuliere.  

Das Finale: Live-Demütigung und Fremdschämen

„Guck dir diese Gesichter an!“, kreischt Heidi weiter. „Wow!“, schreien die Juroren. Der eine davon, Thomas, mischt sich nochmal ein, schließlich sind es „seine Mädchen“, macht ein paar Handgriffe für die letzte Pose, ein paar Zupfer, ein bisschen Mansplaining. „Mit den Augen spielen, alles reinlegen!“ Hä? Alle sind gestresst, alle fiebern mit – dabei ist längst bekannt, wer gewinnen wird. Aber für eine allerletzte Demütigung war bei Heidi schließlich immer noch Platz gewesen, nicht?

Céline Bethmann ist es schließlich geworden, die große Gewinnerin. Und sie wird sogleich für ihre „Authentizität“ gepriesen – in einer Show, die man genauso gut „Heidi’s Muppet Show“ nennen könnte. Nichts anderes als Marionetten sind die „Girls“, wie sie neuerdings genannt werden, in der glitzernden Welt der kapitalistischen Vermarktungsmaschinerie nämlich.

 

First Couple: Paare, deren Altersunterschied genauso groß ist wie bei den Macrons

Alle 8 Bilder anzeigen »

 

Céline hat die meisten Jobs abgeräumt, merken die Juroren an, während sie sie von Kopf bis Fuß bewerten. Heißt so viel wie: Mädl, mit dir lässt sich viel Kohle machen. Juhu, Lebensziel erreicht. Die Großmama ist trotzdem stolz. Da wird selbst darüber gescherzt, dass Céline die Schule hingeschmissen hat, ein Jahr vor ihrer Matura. Wer braucht schon Bildung, wenn man als Model sicherlich bis ins hohe Alter von 24 Jahren noch gebucht wird? 

Zwischendurch kreischt Heidi „Wow!“, um so zu tun, als hätte das Ganze irgendeine Relevanz

Zuvor durften die beiden Finalistinnen noch wie zwei Engel, die ihre Gliedmaßen nicht unter Kontrolle haben, über den Saal schweben, während Helene Fischer ihren neuen und wiederum entbehrlichen Song „Herzbeben“ zum Besten gab.

Doch Spaß beiseite: GNTM ist nicht nur eine Show, über die sich alle gerne lustig machen, sie ist auch gefährlich. Die Körperbilder, Zurschaustellungen und Demütigungen dieser Sendung haben reale Auswirkungen auf die Psyche junger Frauen (wie etwa auch eine Studie festgestellt hat). Die Show ist schlicht und einfach eine Anleitung zur Essstörung.

 

Junge Frauen werden in der Schönheits- und Modeindustrie diszipliniert, gefügig gemacht, auf ihre niederen Ränge verwiesen - und dabei wird ihnen der Mythos der Selbstbestimmung vorgegaukelt.

 

Deshalb, und aus vielen anderen Gründen, darf ich mir gerne wünschen: Liebe Heidi, verschwinde mit deiner ekelhaften Fleischbeschau endlich von den Bildschirmen. Hunderttausende junge Frauen würden es dir mit ihrer Gesundheit danken. Und meine Nerven blieben auch verschont.

Die Show muss weitergehen

Doch der Horror geht leider weiter. Und eine Kandidatin haben sie schon. Während der Show wurde ein „Mädchen“ hastig und mit viel Heidi-Kreischerei ausgewählt, um direkt in die nächste (und mittlerweile 13.) Staffel zu hüpfen. Sneakers wurden gegen hohe Schuhe ausgetauscht, ein bisschen grindige Musik angemacht, und die Mädchen mussten wieder "ALLES GEBEN". Wieder frage ich mich: Was genau ist "alles" in diesem Kontext eigentlich? Naja, Heidi jedenfalls schreit unaufhörlich: "Die Nächste, die Nächste, die Nächste, die Nächste." Immer ein bisschen mehr Objekte fürs Fließband. Damit sie alle zu einer Abziehschablone werden können - genau zugeschnitten auf ein bestimmtes Marktsegment.

Vor der Kamera darf die Auserwählte später leider nichts sagen, wegen der Jugendschutzbestimmungen. Die Augen ihrer Mama leuchten dennoch vor Freude. Und Designer Wolfgang Joop meint: "Sie sieht so unschuldig aus. Das kommt gut an." Würg.

 

Video: 6 absurde Tipps für die Bikinifigur

 

Kommentare

Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen


Wienerin ABO