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Schöne Aussichten: Liebe Instagram-Lüge, du kannst mir wirklich gestohlen bleiben

von

In einer Welt, die Frauen jedes mögliche absurde Schönheitsideal einredet, ist es schwer, sich selbst zu lieben. Wie frau es trotzdem schaffen kann, das Positive heranzulassen.

JetztJelena Gučanin(Wienerin)

In unserer wöchentlichen WIENERIN-Kolumne "Schöne Aussichten" richten wir den Blick auf Geschichten, die uns im positiven Sinn bewegen. Heute ist es einfach: die Liebe zu uns selbst.

 

„Chinplants“ – Kinnimplantate – scheinen der neue Beauty-Trend zu sein, der die SchönheitschirurgInnen derzeit beschäftigt hält (hier nachzulesen). Schuld an diesem absurden Perfektionswahn soll die Selfie-Kultur im Netz sein, die ja mit Instagram & Co. ungesunde Ausmaße angenommen hat. Dass die dort präsentierten Körperbilder jungen Frauen schaden, ist sogar schon wissenschaftlich bestätigt worden

Und ja: wenn ich so durch diverse Instagram-Feeds scrolle, präsentieren sich dort meist untergewichtige, perfekt geschminkte und gekleidete junge Frauen. Wenn ich dann so an mir heruntersehe, frage ich mich dann sofort, was ich als nächstes kaufen oder an mir verändern kann, um auch so auszusehen. Kurzum: ich habe sofort Selbstzweifel. Und damit bin ich offensichtlich nicht alleine. Doch irgendwann wurde mir bewusst: stopp, so kann das nicht weitergehen.

Der Weg zu mehr Selbstliebe darf auch hässlich sein

Der erste Schritt, um wieder das Positive an sich sehen zu können, ist einfach: diesen Bildern, so gut es geht, aus dem Weg zu gehen. Das heißt: statt Menschen zu bewundern, die mir ein schlechtes Gefühl geben, folge ich jenen, die mir andere, spannende, vielleicht nicht so schöne Seiten ihres Lebens zeigen. „Mut zur Hässlichkeit“ klingt vielleicht etwas platt, macht aber durchaus Sinn. Wenn ich ungeschminkte, verpickelte Gesichter oder Cellulite-Oberschenkel in meinem Social-Media-Feed sehe, stoße ich jedes Mal einen Seufzer der Erleichterung aus. So selten sind sie (leider) immer noch. Und diesen Mut sollten wir auch selbst beweisen – die positiven Reaktionen, wenn man einmal ungeschminkt aus dem Haus geht, werden eine überraschen.  

Doch diese Bilder begegnen uns ja leider nicht nur auf Social-Media-Plattformen. Sie sind immer noch ein gesellschaftliches Problem, das auf der Straße, im Fernsehen, in Gesprächen immer wieder zum Vorschein kommt. Wenn die Tante fragt, ob man zugenommen hat, kann man das vielleicht im ersten Moment mit einem Schulterzucken weglächeln, aber man macht sich trotzdem Gedanken darüber.

Sich von negativen Einflüssen lösen

Der nächste Schritt ist daher: negative Menschen und deren Kommentare nicht an sich heranzulassen. Distanz zu halten, so gut es geht. Ein bisschen gleichgültiger zu werden. Dafür muss man sich erst einmal bewusst werden, wer oder was überhaupt ein negativer Einfluss ist. Die Fixierung auf das Gewicht (von Frauen) ist zum Beispiel etwas, das wir aus unserem Leben verbannen sollten. Und zwar auch dann, wenn wir über andere reden. Denn nur wenn wir den Satz „Die hat aber zugenommen“ aus unserem eigenen Sprachgebrauch löschen, lösen wir ihn auch von unserem Selbstbild.

Dazu gehört aber auch, positive Situationen, Menschen und Kommentare zuzulassen. Ein komplett übertriebenes Kompliment? Nehmen wir gerne! Denn um sich selbst zu lieben, ist es wichtig, sich selbst zu verwöhnen. „Gönn‘ dir Auszeiten und pass auf dich selbst auf, um gesund zu bleiben“, riet mir eine Freundin einmal. Und sie hatte verdammt Recht. Einen Tag lang ganz alleine zuhause zu verbringen, sich ein Bad einzulassen, sich nur um sich zu kümmern und einfach einmal so richtig auszuschlafen – diese Dinge werden immer kostbarer und seltener. Dabei ist Self-Care (überlebens-)wichtig.

Zu guter Letzt zählt nämlich, dass wir mit uns selbst klarkommen. PartnerInnen, Freundschaften, Jobs – sie alle kommen und gehen. Aber nur wer sich selbst liebt, kann auch das Leben lieben - und andere damit anstecken. Ihr könnt es ja diese Woche einfach mal probieren.

 

Schöne Aussichten!

In dieser wöchentlichen WIENERIN-Kolumne richten wir den Blick auf Geschichten, die uns im positiven Sinn bewegen.

Über ihre "Schönen Aussichten" schreiben abwechselnd die WIENERIN-Autorinnen und -Autoren Barbara Haas (Chefredakteurin), Ursula Neubauer (stellvertretende Chefredakteurin), Jelena Gučanin (Redakteurin) und Ljubiša Buzić (Textchef).

 

Video: Paula Lambert über den weiblichen Orgasmus und Selbstliebe

 

Kommentare

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1 Kommentare
Gast: nmeinung
08.05.2017 12:13

Puppengesicht gegen Individualität

Die Gesichter auf Instagram etc. lösen in mir eher entsetzen aus. Was ist aus den einzelnen Personen geworden? Das "Ich" ist nicht mehr da und das finde ich fürchterlich und auf keinen Fall nachahmenswert. Die verbiegen sich für Männer und das im Zeitalter der Emanzipation. Was glaubt ihr was ein Mann in Schlauchbootlippen sieht??? Was glauben ihr was twerken mit aufgeblasenen Hintern bei Männern auslöst, sicher kein verlieben oder Liebe. Diese Frauen machen sich selber zu Objekten.