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Vereinbarkeit: „Der 12-Stunden-Tag ist eine Gefahr für Alleinerziehende“

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Die Sozialpartner diskutieren derzeit über flexiblere Arbeitszeiten. Ein 12-Stunden-Tag würde vor allem Alleinerziehende hart treffen, weiß Jana Zuckerhut von der Österreichischen Plattform für Alleinerziehende.

JetztJelena Gučanin(Wienerin)

 

Zum 12-Stunden-Arbeitstag hat jeder eine Meinung. Und die kann durchaus unterschiedlich ausfallen. Das wurde auch bei der "Im Zentrum"-Diskussion vom vergangenen Sonntag deutlich, bei der ÖGB-Chef Erich Foglar, Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP), Soziologe Jörg Flecker und Michaela Reitterer, Präsidentin der Hoteliervereinigung zum Thema flexible Arbeitszeiten diskutierten. 

Reinhold Mitterlehner plädierte für einen 12-Stunden-Arbeitstag in Ausnahmesituationen. ÖGB-Chef Erich Foglar sah das größte Problem darin, wer darüber entscheidet, wie lang gearbeitet wird: ArbeitnehmerInnen oder ArbeitgeberInnen. Michaela Reitterer wünschte sich mehr Flexibilität - diese sei jedoch durch Gleitzeitvereinbarungen bereits möglich, entgegnete Foglar. 

Hat der 12-Stunden-Tag negative Auswirkungen auf Alleinerziehende

Der Soziologe Jörg Flecker verwies hingegen auf Studien, die zeigen, dass die Fehlerhäufigkeit nach der 7. oder 8. Arbeitsstunde steigt - und dass es mehr Krankenstände und Ausfälle gäbe, wenn die Flexibilität gesteigert wird. Laut Flecker sei ein 12-Stunden-Tag nur sinnvoll, wenn es dann auch längere Erholungsphasen gibt - etwa bei einer 30-Stunden-Woche.

Doch ein Thema wurde dabei ausgespart: Welche Auswirkungen hätte ein 12-Stunden-Tag auf Alleinerziehende? 

Die Gefahr des Burn-Outs steigt rapide an, dabei sind Alleinerziehende ohnehin eine Risikogruppe.
Jana Zuckerhut

Jana Zuckerhut von der Österreichischen Plattform für Alleinerziehende (ÖPA) hat hier durchaus Bedenken, wie sie im WIENERIN.at-Gespräch sagt: "Der 12-Stunden-Tag kann bedeuten, dass Alleinerziehende einen Job nicht annehmen können, oder sogar ihren Job aufgeben müssen. Denn die Kinderbetreuung, die mehr als zwölf Stunden durchgängige Öffnungszeiten anbietet, müssten Sie mir erst mal zeigen."

"12 Stunden pro Tag zu arbeiten bedeutet auch, 14 Stunden lang Kinderbetreuung organisieren zu müssen"

Hinzu komme die Frage, ob Kinder wirklich so lange fremdbetreut werden sollen, und ob die Eltern das wollen. "Was bedeutet es für unsere Gesellschaft und uns, wenn wir unsere Kinder nur noch zum Aufstehen und ins Bett bringen sehen?", fragt sich Zuckerhut. Flexible Arbeitszeiten seien nur dann familienfreundlich, wenn die ArbeitnehmerInnen Ihre Zeiten selbst bestimmen können. "Zwölf Stunden pro Tag zu arbeiten bedeutet auch, 14 Stunden lang Kinderbetreuung organisieren zu müssen, mit Hol- und Bringzeiten", gibt Zuckerhut zu bedenken. 

 

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Vor allem Alleinerziehende würden durch den 12-Stunden-Tag doppelt in Bedrängnis kommen. Zeit mit der Familie wäre quasi nicht mehr vorhanden. "Wir wissen, dass wir für einen 12-Stunden-Tag drei Tage Regeneration brauchen, wie die Med Uni Wien gerade wieder in einer Studie veröffentlicht hat - die haben Alleinerziehende einfach nicht. Die Gefahr des Burn-Outs steigt rapide an, dabei sind Alleinerziehende ohnehin eine Risikogruppe." Es sei ein gesellschaftliches Problem, wenn diese Elternteile ausfallen. "Wir wissen längst, dass die Arbeitsleistung ab der 6. Stunde stark nachlässt, damit ist der Nutzen des Ganzen überhaupt in Frage zu stellen", meint Zuckerhut abschließend.

Die erwähnte Studie der Medizinischen Universität Wien kam auch zum Ergebnis, dass man sich nach zwei aufeinanderfolgenden Tagen mit je zwölf Stunden Arbeitszeit drei Tage frei nehmen müsse, um sich zu erholen (LINK zur Studie). Generell aber gebe es praktisch bei jedem Menschen spätestens aber der 10. Tagesarbeitsstunde einen deutlichen Leitungsabfall. 

 

 

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