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Germany's Next Topmodel: Was Heidi Klum verschweigt

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GNTM ist aus feministischer Sicht wirklich problematisch. Und auch das echte Modelleben ist kein Zuckerschlecken. Kolumnistin Martina Parker verrät, was angehende Models wirklich erwartet.

Was Heidi Klum verschweigt

JetztMartina Parker(Wienerin)

Heidi Klum ist wieder da. Die Hunger Games sind eröffnet. 2017 rennt das auch über Instagräääm, wo die Mädels gleich vorab Ihre Personääälitie zeigen können - oder ihre Youtube Videos.

Und weil das Motto des Jahres Divööörsity ist, laufen auch Transgender Models mit und viele farbige Mädchen und Asiatinnen und sogar eine mit Achselhaaren. Und am Ende des Tages wollen alle wieder mal nur eines werden: Die Schönste im ganzen Land.

Wie das abläuft, ist nach 11 Staffeln GNTM hinreichend bekannt. Erst werden der Schönsten der Schönen beim großen Umstyling die Haare abgeschoren (Tränen der Demütigung), dann gibt es ein Shooting, das Höhenphobie auslöst (Tränen der Todesangst). Es folgt eines mit besonders wilden/ekligen Tieren (panische & hysterische Tränen). Und als Höhepunkt muss auch noch nackt posiert und mit fremden Männern rumgeschmust werden (Tränen fließen etwas verspätet, wenn der Model Boyfriend daheim auszuckt). Bis dann eine Schöne überbleibt (Tränen der Freude und der Erleichterung).

Doch so ist das das Modelleben nicht! Bei der WIENERIN führen wir jedes Jahr dutzende Shootings durch. Noch nie musste sich eines unserer Models vom Donauturm abseilen. Die Idee, Schlangen in einem Luxushotel zu fotografieren – übrigens ohne Model nur mit Parfümflakons - scheiterte am Veto der Direktion. Und wir haben auch noch nie ein Model aufgefordert, ihren Kopf in den Rachen eines Krokodils zu legen. Einmal haben wir für ein ästhetisches Bodyshooting eine Nackte gesucht und wir mussten bis nach Südafrika fliegen, um sie zu finden. Sie nahm den Job an, weil sie in Österreich keiner kennt. Models, die von professionellen Agenturen vertreten werden, können nämlich selbst entscheiden, was sie wo und wann für welchen Job machen wollen und was nicht.

Das Modelleben ist nicht halb so tränenreich, aber auch nicht halb so glamourös wie es Euch Heidi und ihre Co-Juroren glaubhaft machen wollen. In erster Linie ist es anstrengend und zwischendurch auch ganz schön langweilig.

Als Model wirst Du sehr viel Zeit mit Castings verbringen. Das heißt, Du stellst Dich bei Fotografen und Kunden vor, die sich keineswegs für Deine Personääälitie auf Instagräääm interessieren (es sei denn Du bist Gigi Hadid oder Kendall Jenner) sondern nur, ob Du der richtige Typ für den Job bist, In 90 Prozent aller Fälle bist Du es nicht. Weil Du südeuropäisch aussiehst, obwohl gerade nordeuropäisch gefragt ist, oder umgekehrt. Weil Du zu alt zu jung, zu sommersprossig oder zu wenig sommersprossig bist.

Bist Du doch der „Typ der Stunde“, beginnt der Modeltag im Morgengrauen mit einer mehr oder weniger langen Anreise. Das Team wird dich nett begrüßen und die nächsten acht Stunden mehr oder weniger ignorieren. Oft dauert es Stunden, bis das erste Bild geschossen wird. Haare, Make-up, das richtige Outfit, das perfekte Licht: Alles muss erst mal gefunden werden, bevor es richtig losgeht mit dem Shooting.

Du bist  hier, um als Leinwand für Beauty oder als Kleiderständern für Mode zu agieren. Wenn Du Glück hast, erwischt Du eine nette Visagistin, die ein bisschen Small Talk mit Dir macht. Wenn Du Pech hast, erwischt Du einen kettenrauchenden Selbstdarsteller, der Dir mit seinen Stinkefingern im Geischt rumfährt und dem Fotografen zuzischt, Du wärest zu pausbäckig, nur weil das von ihm aufgepinselte Rouge nicht richtig sitzt.

Wir bei der WIENERIN vermeiden es natürlich, mit solchen Leuten zu arbeiten, es gibt sie aber trotzdem. Genauso wie die Kunden, die sich die Aufnahmen nach jedem Sujet gleich am Computer ansehen und total vergessen, dass Du noch im Raum bist, geschweige denn, dass Du Ohren hast, oder gar Gefühle. „Da auf dieser Aufnahme sieht sie aber total gewöhnlich aus.“ „Ihre Nase passt einfach nicht!“ „Die hat einfach keinen Ausdruck." "Wie alt ist die 22? Sieht eher aus wie 32!“

Wie dick muss Dein Fell wohl sein, um sich das Tag für Tag anzuhören, ohne einen bleibenden Schaden zu erleiden? Und was kriegst Du am Ende des Tages retour. Hübsche Bilder, die Du mal Deinen Enkelkindern zeigen kannst? Ein bisschen mehr Lebenserfahrung? Eine Ahnung von Mode? Und wenn Du glaubst, die Kohle entschädigt, vergiss es. Das Tageshonorar für Schauen oder Fotoaufnahmen liegt im Schnitt zwischen Null und 300 Euro und davon gehen 20 – 25 Prozent an Deine Agentur.

Ja selbst wenn Du everybodys darling bist, ist das Glück nicht von langer Dauer. Denn dann werden sich ein paar Monate lang alle um Dich reißen, nur um Dich im Anschluss fallen zu lassen, weil man sich jetzt einfach an Dir satt gesehen hat, und längst ein anderen Typ gefragt ist. Neue Saison, neues Glück. Aber das kennt man ja auch von GNTM.

Nur eine kann Gääärmany's next Topmodel werden" Die Frage ist nur, ob man das wirklich wollen sollte.

Modeln ist kein Traum, es ist schlicht und einfach ein Knochenjob, den frau eine Zeitlang machen kann, bevor sie sich irgendwann einen anderen Job suchen (muss). Platz für Allüren und Glamour bleibt da kaum. Und insofern kann man vor all den Mädchen, die versuchen diesen Job so professionell wie möglich auszuüben, nur den Hut ziehen. Denn Äußerlichkeiten hin oder her, ob im Heidi-Boatcamp oder im Real Life – sie müssen verdammt starke Frauen sein, um das heil zu überstehen.

Übrigens, modeln geht auch anders.

Die WIENERIN sucht das Covergesicht 2017. Schon das elfte Jahr in Folge macht sich die WIENERIN auf die Suche nach der außergewöhnlichen Frau, die das Magazin mit Ausstrahlung und Haltung präsentiert und im August vom Titel strahlen darf. Unsere Kriterien: Neben einem Mindestalter von 25 Jahren müssen die Kandidatinnen auch eine Mindestkleidergröße von 36 mitbringen. Hier erfährst Du mehr.

 

VIDEO: Ariana Grande: "Ich bin kein Stück Fleisch!"

 

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2 Kommentare
Gast: Teresa
19.02.2017 15:42

Was die Autorin euch damit sagen möchte....

...ist, dass GNTM eine TV-SENDUNG ist, die nicht unbedingt die Realität abbildet. Nicht nur durch mein Film- und Medienwissenschaftstudium weiß ich, dass es aich um ein Fernsehformat handelt, dass nach einem SCRIPT aufgebaut ist und die Zuseherinnen und Zuseher UNTERHALTEN soll.
// Ich hatte mit einer Modedesignerin zu tun, die n
mit den Kandditatinnen von A.N.T.M. gearbeitet hat und die meinte, durch die "extremen" Shootings seien sie bei "normalen" Shootings relaxter.
// GNTM war vor 10 Jahren (ich sehe es seit der 1. Staffel) auch noch nicht SOO extrem - es muss neues bieten um interessant zu bleiben.
// The BIGGEST LOSER ist auch eine TV-Sendung - wenn man in Realität abnehmen möchte, wird mann auch keine Traktorreifen auf den Hügel schleppen oder sein Körpergewicht aus Würfeln bauen.

Gast: Marlen S
19.02.2017 10:42

Was die Autorin damit sagen möchte...

.... ist, dass GNTM eine TV-SENDUNG ist, die nicht unbedingt die Realität abbildet. Nicht nur durch mein Film- und Medienwissenschaftstudium weiß ich, dass es aich um ein Fernsehformat handelt, dass nach einem SCRIPT aufgebaut ist und die Zuseherinnen und Zuseher UNTERHALTEN soll.
// Ich hatte mit einer Modedesignerin zu tun, die n
mit den Kandditatinnen von A.N.T.M. gearbeitet hat und die meinte, durch die "extremen" Shootings seien sie bei "normalen" Shootings relaxter.
// GNTM war vor 10 Jahren (ich sehe es seit der 1. Staffel) auch noch nicht SOO extrem - es muss neues bieten um interessant zu bleiben.
// The BIGGEST LOSER ist auch eine TV-Sendung - wenn man in Realität abnehmen möchte, wird mann auch keine Traktorreifen auf den Hügel schleppen oder sein Körpergewicht aus Würfeln bauen.