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Gedankensplitter: Fangen jetzt wieder alle an zu rauchen?

von

"Gehst mit eine rauchen?" WIENERIN Kolumnistin Martina Parker wird aktuell recht häufig von Gelegenheitsrauchern vor die Tür gebeten. Was ist der Grund für das Revival der Zigarette?

Frau mit Zigarette

JetztMartina Parker(Wienerin)

Wir haben geraucht, weil es cool war. Wir haben geraucht, weil wir glücklich oder verzweifelt, aber in jeder Hinsicht leidenschaftlich exzessiv waren. Wir haben immer zur Tschick gegriffen, wenn wir jemanden kennen lernen wollten. „Geh hast amal a Feuer!“ Dass irgendjemand, den wir im Visier hatten, nicht rauchte, das gab es einfach nicht.

Gemeinsames Rauchen verbindet ungemein. Ob es heute wohl noch coole Pärchen gibt, die „danach“ gemeinsam eine rauchen... im Bett... mit einem Aschenbecher, der auf wackligen Knien balanciert? Das Klicken eines Feuerzeugs, das kokette Seitwärtsneigen des Kopfes, wenn man sich über die Flamme beugt, ein tiefer Zug, rote Lippenstiftabdrücke auf weißen Filtern. Das entspannte Rauchringe Blasen gegen die Zimmerdecke. Das hatte schon was.

Aber der Glamour ist verschwunden und mit ihm der Exzess. Es gibt sie nicht mehr, die Unvernunft, das in den Tag hinein (Lotter)leben, die Gedankenlosigkeit.

Heute macht sich unsereins ständig um alles Gedanken. Nichts darf mehr stinken, gefährlich oder ungesund sein. Der Mensch des 21. Jahrhunderts ist urfad geworden, ständig ganzkörperenthaart und mit Helm unterwegs, immer auf Detox.  

Er hat heute kein Tschickpackerl mehr eingesteckt, sondern ein Smartphone. Darauf sind Apps, die ihm sagen, wie viele Schritte er gehen muss, wie viele Gläser Wasser er trinken soll und ob er seinen täglichen Yoga/Planking/Meditations - Streak erreicht hat. 

Und wenn der Mensch des 21. Jahrhunderts mal ausgeht, dann maximal bis elf Uhr. Weil man muss ja immer früh raus und weiter an der Selbstoptimierung basteln.

Falco und die anderen Helden unserer Jugend, die wir in sentimentalen Momenten so gerne aufleben lassen, hätten sich darüber totgelacht. Falco ist 1979 ausgegangen und 1989 heimgekommen und dazwischen war er - laut Eigenzitat - einmal umziehen und duschen. Statt zu atmen hat er natürlich geraucht.  

Vielleicht wissen wir heute auch einfach zu viel. Wir wissen aus schmerzlicher Erfahrung, dass Rauchen schädlich ist, kennen alle mehr als einen, der vom „Lungenkrebs geholt wurde“. Darum würden wir unseren Kindern natürlich „wer weiß was“ erzählen, wenn sie je mit „dem Scheiß“ anfangen. Aber zwischendurch verdrängen wir das gerne mal.

„Gehst mit raus eine rauchen?“, hört man neuerdings immer öfter.

Und dann die Antwort: „Ich rauche ja eigentlich nicht.“

„Ich ja auch nicht.“

„Also na gut, eine geht schon.“

Dann steht man draußen und meist ist es kalt. Man schnuppert an der Tschick, die unangezündet eigentlich viel besser riecht und gibt sich dem Ritual hin. Zehn Minuten lang ist man wieder wild und frei und unvernünftig. Sehnt sich nach Sorglosigkeit, Dekadenz und Fragwürdigkeit - einem Leben ohne Apps und Morgen.

Dann wird einem schwindlig und man bedauert, dass die Tschick leider nicht mehr annähernd so gut schmeckt wie früher. Die müssen was am Tabak geändert haben.

Zuhause angekommen hängt man das Gewand zum Lüften raus, putzt sich ausgiebig die Zähne mit einem biologisch-ayurvedischen Detoxzahnöl und widmet sich wieder dem Smartphone.

„Feiern bis der Arzt kommt“, das überlässt man doch lieber den Prolos in den Großraumdiskos und den russischen Oligarchen. Ist irgendwie doch zu anstrengend! 

 

 

 

Kommentare

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1 Kommentare
Gast: Helga Christine
08.02.2017 10:25

Auf den Punkt gebracht

Coolwr Artikel!