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Hawara der Woche: "Feminismus heißt auch: Frauen sollen das gleiche Recht haben, ein Arschloch zu sein"

von

Der Schriftsteller Richard Schuberth über Frauen in der Literatur, warum Männer Feministen sein sollten und feministische Horrorszenarien.

JetztJelena Gučanin(Wienerin)

 

Männer, die wir mögen: In unserer Rubrik "Hawara der Woche" stellen wir regelmäßig Männer vor, die sich für Gleichberechtigung und Frauenrechte einsetzen. Heute: der Autor Richard Schuberth.

 

In deinem Buch „Chronik einer fröhlichen Verschwörung“ beschreibst du eine sehr eigenwillige Frauenfigur – Biggy. Was macht sie aus?

Richard Schuberth: Dazu sollte ich für Leserinnen und Leser vielleicht kurz die Handlung umreißen. Biggy, ein 17-jähriger Wildfang, trifft im Zug nach Wien den 68-jährigen griesgrämigen Gelehrten Ernst. Der weiht sie in seinen Plan ein: Er möchte um jeden Preis den Roman eines jungen Starautors verhindern. Der Roman soll von der Philosophin und Germanistin Klara Sonnenschein – das ist die eigenwilligste Frauenfigur im Buch – handeln, die als Mädchen im KZ Mauthausen zubringen musste. Ernst hasst die kulturelle Verwurstung des Holocaust und besonders die einer Frau, mit der er gut befreundet war und mit der ihn ein tragisches Geheimnis verbindet. Gemeinsam mit Ernst heckt Biggy eine Reihe fieser Pläne und Fallen aus, legt falsche Spuren, konstruiert falsche Identitäten. Zwischen Ernst und Biggy entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft, ja sogar Liebe, obwohl es sich – wohlgemerkt – um keine Lolita-Geschichte handelt.

 

Ist Biggy eine Identifikationsfigur?

Ich wollte auf keinen Fall eine Superheldin konstruieren, sondern ein talentiertes Rotzmensch, das auch unsympathisch und in seiner Altklugheit nervig sein kann. So wie der alte Philosoph zwar sehr richtige Gesellschaftskritik beisteuert, aber zugleich ein betulicher, verbitterter Feigling und Grantscherben sein kann. Biggy ist die geborene Rebellin, ausgefuchst, mit beachtlicher krimineller Energie, und einem gesunden erotischen Appetit. Heute würde man sagen: sexpositiv. Sie hat hauptsächlich Verhältnisse mit Orientalen, vorzüglich Arabern. Ihre kulturellen Projektionen dabei, und inwiefern das mit ihrer kleinbürgerlichen Herkunft vom Land zu tun hat, sind ihr nicht bewusst. Biggy ist eine sehr feministische Figur, obwohl sie zunächst kein solidarisches Bewusstsein hat, sie gefällt sich eher als bad tough girl und verachtet ihre Geschlechtsgenossinnen gerne als Tussen. In gewisser Hinsicht ist sie ein Produkt des Neoliberalismus: auf ihren eigenen Vorteil bedacht, in Konkurrenz mit der ganzen Welt, voller Allmachtsfantasien; sie betrachtet die Welt als Servicezone für ihr Ego. Andererseits verachtet sie viele Seiten des Systems als dumm und unmenschlich, besonders die Rolle der Frauen darin. So schleust sie sich in eine Model-Casting-Show ein, analysiert die Machtverhältnisse und die seelische und körperliche Zurichtung der Mädchen dort und plant in einer sehr derben terroristischen Aktion das Ganze platzen zu lassen. Mehr sei nicht verraten.

 

Feminismus hat es dann geschafft, wenn Frausein weder Stigma noch Vorzug ist, sondern Menschsein gewichen ist, und Frauen wie Männer mit der gleichen Fairness und Härte kritisiert werden dürfen.
Richard Schuberth

 

 

„Chronik einer fröhlichen Verschwörung“ wurde als ein Bildungs- und Schelmenroman mit vielen unerwarteten Wendungen bezeichnet. Ist der feministische Ansatz des Buchs angemessen gewürdigt worden?

Man könnte sagen: Pippi Langstrumpf für Erwachsene. Obwohl ich Pippi Langstrumpf erst als Erwachsener gelesen und verstanden habe. Aber es freut mich, dass du Biggy ansprichst. Dieses Interview könnte das letzte mediale Echo des Romans sein. Der ist vor 2 Jahren erschienen. Und ich erinnere mich: Die allererste Rezension war von einem bekannten älteren Essayisten, sehr positiv, doch der beachtete nur die Figur des alten Philosophen. Biggy fiel im gar nicht auf, und wurde von ihm bloß nebenbei, in einer Zeile und despektierlich als die „Nasengepiercte“ bezeichnet. So sieht der Fokus der alten weißen Männer aus (lacht). Die feministische Dimension des Romans, eine ziemlich augenfällige und beabsichtigte, fiel nur einigen weiblichen Rezensenten auf. Männer ticken eben anders.



Würdest du dich selbst als Feminist bezeichnen – wenn ja, warum?

Andersrum: Wer sich nicht als Feminist oder Feministin bezeichnet, gibt ja zu, für eine ökonomische, politische und gesellschaftliche Benachteiligung von Frauen zu sein, für Sexismus und biologistische Zuschreibungen. Oder es ist ihm oder ihr egal. Was beinahe noch schlimmer ist. Feminismus ist für mich notwendiger Teil einer gesamtgesellschaftlichen Emanzipation. Dieser Kampf gehört nicht allein den Frauen, sie dürfen sich ihn aber auch nicht wegnehmen lassen. Natürlich gibt es viele Feminismen, unter anderem auch einen Feminismus, der sich nicht als Prozess und Kampf, sondern als geschützte Werkstätte von Weiblichkeit versteht. Aber das berührt einen Gegensatz, der alle emanzipatorischen Kämpfe durchzieht: den zwischen Kampf um Egalität und den um Identität. Ich bin auch für einen Feminismus, der nicht Standortbestimmungen des Männlichen oder Weiblichen sucht, sondern die Geschlechterdifferenz subversiv unterwandert. Individualität, Freiheit gibt es erst dann, wenn z.B. Toughness oder Softness nicht mehr männlich oder weiblich konnotiert sind, sondern je nach Situation positive oder negative Qualitäten sind, an der alle Menschen teilhaben.

 

Wie wurdest du Feminist? Wie darf man sich das Verhältnis des – sagen wir – Teenager-Richard dazu vorstellen?

Als Kind und Jugendlicher war ich so was wie ein romantischer Feminist. Damals hab ich eine soziale Empathie besessen, von der nur noch Bruchstücke übrig sind. (lacht) Ich war ununterbrochen verliebt (vermutlich ins Verliebtsein) und hab Frauen prinzipiell für bessere, interessantere und vielschichtigere Wesen gehalten. Sexistische Geringschätzung hat mich immer sehr wütend gemacht. Gleichzeitig, und jetzt kommt der opportunistische Teenager-Richard ins Spiel, drängt männlicher Gruppenzwang einen genau dorthin: Verächtlichmachung dessen, was man begehrt. Je cooler und sexistischer man in Gruppen über Frauen sprach, desto stärker fühlte man sich und desto höher war das soziale Prestige. Ich kann mich zwar erinnern, dass ich einige Male dagegen auftrat, aber viel öfter hab ich mitgespielt, passiv, und manchmal aktiv. Obwohl ich es dumm fand. Aber dieser Bestätigungskonformismus ist eine der schlimmsten sozialen Kräfte, in jeder Hinsicht.

Später mit realer Beziehungserfahrung hat sich meine Frauenverehrung ein bisschen gelegt, Feminismus war dann nicht mehr die Lehre von der Überlegenheit der Frau. Auch Männer gehören vom Patriarchat befreit, und das Patriarchat könnte nicht ohne Duldung und Komplizenschaft so vieler Frauen so gut gedeihen.

 

Du bist also nicht so der Freund von Identitätspolitik. Und eine von Frauen regierte Welt wäre keine bessere?

Komischerweise, ich kann mir das nicht erklären, aber das ist bloß meine Erfahrung und sicher keine Wertung, halte ich Mädchen im Alter von drei bis – sagen wir – 12 den gleichaltrigen Buben für überlegen. Ich schätze Kinder als Gesprächspartner, und die schlaueren, lustigeren, kreativeren, reiferen waren immer die Mädchen. Vielleicht ist das auch Zufall oder doch Bias. Aber sollte es stimmen, gibt sich das mit der Pubertät eh von selbst, spätestens wenn sie sich Egos downloaden und den Jungs gefallen wollen.

Der Feminismus ist umso stärker mit allen emanzipatorischen Kämpfen verknüpft, je mehr es ihm um die ökonomische und soziale Gleichberechtigung geht. Dem bürgerlichen Feminismus geht es mehr um Haltungen, um die psychologischen und subjektiven Aspekte von Diskriminierung. Das ist natürlich sehr wichtig, und diese Probleme werden auch durch soziale Gleichstellung nicht von heute auf morgen verschwinden, aber die bleibt die Grundbedingung dafür, dass sich auch das Bewusstsein ändert. Eine groteske Ausgeburt dieser symbolischen Praxis wäre eine Medienredaktion, in der geschlechtergerechte Sprache eingeführt ist, Mitarbeiterinnen aber weniger verdienen und es bestenfalls in den Mittelbau schaffen.

Etwas rau formuliert: Feminismus hat es dann geschafft, wenn Frausein weder Stigma noch Vorzug ist, sondern Menschsein gewichen ist, und Frauen wie Männer mit der gleichen Fairness und Härte kritisiert werden dürfen. Wäre ich eine Frau, fände ich auch Männer, die zu viel Rücksicht auf mich nehmen, frauenfeindlich, während ein Mann, der mich als Mensch nicht mag, vielleicht der größere Feminist ist.

 

Feminismus heißt auch, zu jeder Zeit, an jedem Ort, das gleiche Recht zu haben wie ein Mann, ein Arschloch zu sein.
Richard Schuberth


Wo können Probleme entstehen, wenn Männer über Feminismus reden und sich selbst als Feministen definieren?

Das ist eine gute Frage, und dafür brauche ich ein bissl Bedenkzeit ... Ich kann mir gut vorstellen, dass es einiges Unbehagen von Feministinnen mit Feministen geben kann. Viel mag von Vorurteil und Unsicherheit bestimmt sein, aber dort, wo das Unbehagen berechtigt ist, wird es interessant.

 

Zum Beispiel?

Na ja, das bizarrste und auch lustigste feministische Horrorszenario wäre wohl eine Gesellschaft, in der die meisten Posten für Gendermainstreaming und feministische Angelegenheiten von – noch dazu besser bezahlten – feministischen Männern besetzt werden. Fürs geschlechtergerechte Utopia wäre es eine wunderbare Vorstellung, wenn Männer an der Uni Feminismus unterrichten und Frauen Holzfällercamps leiten. Das geht aber erst, wenn es auf dem Arbeitsmarkt absolut keine Benachteiligung aufgrund des Geschlechts gibt.

Außerdem kann ich das Unbehagen von Frauen verstehen, wenn Männer auch im Feminismus den großen Spruch führen, weil sie eben immer den großen Spruch geführt haben, und man gewohnt war, von ihnen unterbrochen, nicht ernst genommen oder runtergehalten zu werden. Das kann sicher eine fiese emotionelle Ambivalenz auslösen: Einerseits will man aufgeklärte Männer fördern und einladen, andererseits will man nicht auch hier, im Feminismus, wieder dominiert werden. Selbstbewusste Frauen können die Dinge sicher leichter geschlechtsunabhängig beurteilen. Aber Mangel an Selbstbewusstsein ist eben oft auch ein Resultat der eigenen Marginalisierung. Und für viele ist es sicher nicht einfach, den Menschen da, der einen über Feminismus belehren will, nicht als Mann zu sehen. Also nicht als zur selben Art gehörig, die einem nachpfeift, zwischen die Beine greift, von Jobs und Positionen fernhält etc.

Dann gibt’s auch den männlichen Softie-Feminismus.

 

Und was genau ist das?

Frauenversteher und Fasrerschmeichler sind eh lieb. Aber ich würde Männern, die zu sanftmütig verständnisvoll, zu penetrant einfühlsam sind und manipulativ mein Ego bestätigen wollen, nicht über den Weg trauen. Eier haben, ein ganzer Kerl sein, das sind Qualitäten, die, wie’s der Name schon sagt, männlich codiert sind. Das gehört den Männern aber weggenommen.

Dann gibt es auch das, was ich den Feminismus der Kavaliere nenne. Die erkennt man daran, dass sie in ihrer geschriebenen Sprache Bösewichte wie Polizisten, Kannibalen und Bankdirektoren nie, die Guten, also Selbstversorger_innen, Hanfbäuer_innen und Schülerlots_innen immer gendern. Dem liegt nicht nur feministischer Opportunismus zugrunde, sondern die Vorstellung, dass Frauen die besseren Menschen sind. So denken auch viele Feministinnen. Die Moralisierung der Frauenemanzipation ist aber total frauenfeindlich. Wenn Frauen als zu befreiende Opfer gesehen werden, und wenn ihnen allerhand Tugenden angedichtet werden. Das ist moralische Erpressung. Auch als radikaler Kommunist muss ich dafür einstehen, dass Konzerne und Banken weiblich werden. Diese Differenzierungsleistung muss man erbringen können. Als Sarajevo belagert wurde, haben Paul & Linda McCartney einen Konvoi mit Veggie-Burgern dorthin geschickt. Der Plan dahinter: die fleischfressenden Balkanier haben nichts zu essen, welch tolle Gelegenheit, sie endlich auf den richtigen Pfad zu bringen. Das kann man auch auf den Feminismus umlegen: Frauen sind Opfer von Exklusion, wir kämpfen für ihre Rechte, aber dafür müssen sie wie wir Sozialisten, Veganer, Tierschützer werden und aufhören, Männer mit zu viel Behaarung lieb zu haben.

Feminismus heißt auch, zu jeder Zeit, an jedem Ort, das gleiche Recht zu haben wie ein Mann, ein Arschloch zu sein, aber sich auch nicht darauf ausreden zu können, ja nur eine Frau zu sein, wenn man ein Arschloch ist.


Ein Feminist zu sein bedeutet für Männer ja auch, ihre eigenen Privilegien zu hinterfragen und abzugeben. Sind Männer – wärst du – bereit dazu? Und wie könnte das konkret aussehen?

Da bin ich in einer wirklich privilegierten Position, weil meine Privilegien sind sehr rar gestreut. Bitte, nehmt meine Privilegien, falls ihr welche findet. So à la: Los, enteignet mich! Mal sehen, ob ihr was Verwertbares findet. Meinen Laptop brauch ich aber für die Arbeit.

Aus Mangel an eigenen Privilegien bin ich jedoch jederzeit bereit, die Privilegien anderer Männer zugunsten von Frauen zu opfern. Ist das ein Deal?

 

Anders ausgedrückt: Würdest du freiwillig auf eine Publikation in einem Verlag verzichten, wenn eine Frau statt dir dort veröffentlichen würde?

Wenn ich vom Schreiben leben könnte, und ich vom Manuskript dieser Frau absolut begeistert wäre, könnte ich mir vorstellen, dass ich ihr den Vortritt lasse.

Das ist aber ein sehr heikles Feld, und deshalb muss ich aufpassen, was ich sage. Kriege ich nachher das Interview zum Nachbessern?

 

Natürlich.

Gut. Vielleicht krieg ich es eh jetzt schon hin. Das führt nämlich zum alten Thema Affirmative Action und Quotenregelung. Und zum alten Argument, dass Menschen nicht aufgrund ihres Könnens, sondern ihrer Zugehörigkeit zu einer gesellschaftlichen Gruppe gefördert werden. Was natürlich ein dummes Argument ist. Denn nie ist in Kunst und Kultur weniger aufgrund der Qualität gepusht und gefördert worden als heute, und zweitens haben Männer Jahrhunderte lang Bullshit, passables Mittelmaß und ab und zu Großartiges produziert. Das Anti-Quoten-Argument verdreht die Realität, denn es fordert von Frauen nur Großartiges. Wieder macht sich die männliche Ordnung, die Schrott produzieren darf, zum Richter über Qualität, und fordert von Frauen mehr als von sich selbst, nachdem sie diesen Jahrtausende eingeredet hat, weniger zu sein. Großartiges von Frauen muss sich auch von Mittelmaß und Bullshit, den Frauen fabrizieren, abheben können, und das kann es nur, wenn auch Bullshit und Mittelmaß von Frauen gleichberechtigt am Markt ist.

Nun gibt es aber kulturelle Felder, und dazu gehört Literatur, wo Frauen oft auch bevorzugt werden, teilweise weil die literarischen Institutionen – also Verlage, Lektorate, Rezensentinnen – immer mehr weiblich besetzt sind, teilweise – und das ist der problematische Aspekt – weil der Markt die junge erfrischende Nachwuchsliteratin als Pop-Brand entdeckt hat, und das ist ein zweischneidiges Schwert, denn der Markt verdinglicht junge Frauen, indem er sie zu Fertigteil-Stereotypen designt. Ich stell mir da Verleger und Vertreter vor, die per Telefon fünf neue literarische Girlwunder bestellen. Und zwei Frauen mit muslimischen Namen, die über ihre sexuelle Selbstbefreiung schreiben. Die Umlegung des Starhypes auf die Literatur, in dem Fall: der jungen Powerschriftstellerin, tut ihnen nichts Gutes, denn er füttert sie mit Anerkennung, die ebenso schnell wieder entzogen wird und die leider oft die künstlerische Entwicklung einfriert. Und so wichtig es ist, dass Frauen die kulturellen Felder erobern, so entsteht auch über diese der Eindruck, dass eh schon alles gut sei.  Schon in den 90er Jahren war im deutschen Fernsehen die beachtliche Präsenz von migrantischen Moderatoren, Nachrichtensprechern etc. auffällig. Das erweckte den Eindruck, diese Gesellschaft sei an ihrem liberalen Happy End angekommen. Natürlich handelte es sich um liberale Fassade, die nichts über den Zustand der gesamten Gesellschaft aussagte.

 

Darf sich überhaupt jeder und jede kritisch mit solchen Themen auseinandersetzen?

Leider bin ich nicht nur Literat, sondern auch Kritiker. Das heißt, ich prüfe Kunst nicht nur auf das, was sie vermitteln soll, sondern auf ihre Komposition. Was für mich übrigens dasselbe ist. In Hinblick auf Feminismus wäre der ideale Kritiker, die ideale Kritikerin wohl ein asexueller Transgender. Ich ärgere mich manchmal über mich selbst, wenn ich mir auf die Schliche komme, dass ich Kunst von Frauen bevorzuge, weniger streng beurteile. Weil das ja vielleicht die Kompensation des Gegenteils ist, dass ich sie unbewusst lieber härter beurteilen würde als männliche Kunst. Und außerdem kommt da beim Hintertürl wieder der Kavaliersfeminismus herein. Frauen weniger streng zu beurteilen ist ja wie in den Mantel helfen. Es kann Affirmative Action sein, aber auch ein Indiz, dass man sie nicht ganz für voll nimmt. Und das Lob der singulären Powerfrau ist ja nur ein trauriges Indiz dafür, wie „powerless“ der Rest ist.

Wäre ich eine Frau, würde ich es hassen, wenn man mir die Latte niedriger legte als Männern. Gut gemeint, aber sehr unemanzipiert ist das. Aber es ist schwierig. Emanzipiert ist eine Gesellschaft wohl erst dann, wenn die Latte für Frauen und alle benachteiligten Gruppen nicht zu hoch und nicht zu niedrig gelegt wird.

 

Zur Person

Richard Schuberth, geb. 1968 in Ybbs a. d. Donau, Autor von Romanen, Essays, Dramen, Aphorismen, Gedichten, Satiren, Polemiken, wissenschaftlichen Texten und einem Musiklexikon, Ex-DJ, Cartoonist, Regisseur und mitunter „Komponist“ seiner Songmelodien. Von 2004 bis 2012 leitete er das Musikfestival „Balkan Fever“. Letzte Veröffentlichungen: das Sachbuch „Bevor die Völker wussten, dass sie welche sind“ (2015) und der Essayband „Karl Kraus – 30 und drei Anstiftungen“ (2016).
www.richard-schuberth.com  

 

Hanser Literaturverlag  

Zum Buch

Vor der Tür des siebzigjährigen Philosophen Ernst Katz steht die Schülerin Biggy. Sie kennen einander von einer Bahnfahrt: Katz, dem verschrobenen letzten Mohikaner der Kritischen Theorie, war das Mädchen wegen seines scharfzüngigen Mundwerks aufgefallen. Mit einem Wiedersehen hatte er nicht gerechnet. Er nimmt Biggy bei sich auf und weiht sie ein in seinen Plan, den „Holocaustroman“ eines Jungschriftstellers zu verhindern – einen Roman über eine außergewöhnliche Frau, mit der Katz ein Geheimnis verbindet. Doch ihre kühnen Methoden drohen zu scheitern. Richard Schuberths Debüt ist ein moderner Schelmenroman und eine rasante Außenseiterballade zweier ungleicher Zeitgenossen.

 

Termine

18. Jänner: Richard Schuberth singt. Konzert mit Jelena Popržan & Madame Baheux, Otto Lechner, Thomas Gansch, Paul Schuberth.
Theater Akzent
https://www.akzent.at/home/spielplan/1123/Jelena-Popran--als-Gste 
19.30 Uhr

9. Februar. Karl Kraus – 30 und drei Anstiftungen, Lesung & Vortrag im
Schwarzberg.
Musik: Jelena Popržan & Lina Neuner
http://klever-verlag.com/buecher/karl-kraus/ 
20 Uhr

16. März: Präsentation von „Unruhe vor dem Sturm“ (Gesammelte Essays und Artikel 2013–2017) aus dem Drava Verlag im
KulturCafé des RadioKulturhauses.
Musik: Matthias Loibner <https://www.facebook.com/matthias.loibner.hurdygurdy>
https://www.drava.at/buch/unruhe-vor-dem-sturm/ 
19.30 Uhr

 

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