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Syrien : "Die Kriegs-Lobby in Syrien ist zu stark - nur Frauen wollen den Frieden"

von

Legale Fluchtwege aus Syrien, das wünscht sich Majdoleen Hassan, selbst vertriebene Syrerin, die sich über das Syrian Women's Advisory Board der UN für die syrischen Frauen stark macht. Weil auch im Krieg die männliche Logik bestimmt.

JetztBarbara Haas(Wienerin)

"Wir waren ein Land, in dem es gratis Gesundheitsversorgung gab, einen hohen Bildungsgrad und selbstbewusste Menschen. Heute haben wir 10 Millionen Flüchtlinge, hunderttausende sind in Gefängnissen oder überhaupt verschwunden, wir haben 300.000 Tote und 70 Prozent unseres Landes sind zerstört." Majdoleen Hassan beschreibt in klaren Worten jene Gedanken, die syrische Frauen neben der Angst ums Überleben, plagen. Die Syrerin lebt derzeit selbst im Exil im Libanon, weil es durch den Krieg unmöglich ist, in ihrem Heimatland zu bleiben. "Dieser Krieg entstand aus dem Wunsch nach Freiheit und Sicherheit. Jetzt haben wir hier den schwersten Konflikt seit dem Zweiten Weltkrieg und eine Kriegs-Lobby die kein Interesse am Frieden hat", so Hassan weiter.

Mit Embargo verdienen zu viele  

Der Schwarzmarkt ist in Syrien mittlerweile eine sehr lukrative Einkommensquelle für all jene, die in der Lage sind Dinge zu beschaffen. Und gebraucht wird alles, da durch das Embargo, mit dem das Assad-System belegt ist, quasi alle Geschäfte mit Syrien unterbunden wurden. Für Hassan ein schwerer Fehler: "Das Embargo unterstützt den Krieg, denn mittlerweile verdienen zu viele Leute damit", analysiert Hassan, die studierte Rechtsanwältin ist.  So könnten im Kriegsgebiet mittlerweile nicht einmal mehr die Hilfsorganisationen Wasser aufbereiten, weil sie keinen - oder nur einen sehr kriminellen - Zugang zu Chlor haben. Mit Diesel ist es dasselbe und der ist mittlerweile essentiell für die Stromversorgung, weil Strom hauptsächlich mit Generatoren hergestellt werden kann. Wenn auch nur in geringen Dosen. "Etwa drei Stunden von 24 gibt es Strom im Land.

Syrische Frauen und ihre Friedens-Energie

Majdoleen Hassan sitzt mir gegenüber. Sie ist nach Wien gereist, um zu erzählen, warum es so wichtig wäre, syrische Frauen zu unterstützen, ihnen eine Stimme zu geben. "Sie tragen die Hauptlast des Krieges, und sie haben trotzdem noch Energie und Engagement sich für den Frieden einzusetzen." Hassan zeigt diese Energie mehrfach. Sie ist Mitglied des Mitglied des Syrian Women's Advisory Board in Genf, das ist eine unabhängige 12-köpfige Frauengruppe aus Syrien, die indirekt bei den Genfer Syrien-Gesprächen einwirkt, indem sich den UN-Sondergesandten für Syrien, Staffan de Mistura, beraten.

Und was sind die größten Themen heute für syrische Frauen?

Neben dem Verlust ihrer Männer und Kinder sind es die illegalen Fluchtrouten und eine massive Gewalt, die Frauen auf diesen lebensgefährlichen Reisen widerfährt. Vergewaltigung, Prostitution als einziger Weg, sich und seinen Kindern weiter die Flucht zu finanzieren und die Übergriffe von Männern in den großen - quasi rechtsfreien - Flüchtlingslagern. Wie auch in Jordanien. Das UN-Woman Nationalkomitee hat daher einen starken Fokus auf das Lagerleben gelegt und will mit dem Flüchtlingsprogramm "Za'atari" Hilfe vor Ort für traumatisierte Frauen ermöglichen. "Diese Frauen erleben natürlich Gewalt, wir versuchen ihnen mit medizinischer Versorgung und einer Form der psychologischen Trauma Bewältigung wieder Sicherheit zu geben. Sie müssen ihre Würde wiederkriegen, das ist für diese Frauen ganz wesentlich", so Lilly Sucharipa, Präsidentin des UN-Nationalkomitees Österreich. Daher wollen sie auch alle Spenden-Aktivitäten auf dieses Projekt legen.

Geld für Lager, damit Frauen nicht weiterflüchten

"Viele sprechen davon, dass Geld derzeit am besten in den Ländern vor Ort investiert ist. Wir machen genau das, denn eines ist klar: Alle geflüchteten Frauen wollen eigentlich wieder zurück nach Syrien. Weil das derzeit aber durch den Krieg unmöglich ist, sollte man ihr Leben im Lager so würdevoll wie möglich gestalten", so Sucharipa. Wie schwer die Situation für die geflüchteten Frauen ist, präzisiert Majdoleen Hassan noch einmal: "Was wir hier haben ist die Tatsache, dass ganz junge  Mädchen - Kinder - verheiratet werden, wir haben Prostitution und wir haben einen massiven Organhandel. So ist das Leben im Lager. Und wir haben die Frustration und Aggression der Männer - und dagegen muss man Frauen schützen. Rechtlich sind die Flüchtlinge nicht geschützt."

Die Eckpunkte des Projektes - das wurde bereits erreicht:

- In drei sicheren "Oasen" bekommen 2.500 Frauen und Mädchen monatlich Training in arabischer Alphabetisierung, Englisch- und Computerkursen.  

- 172 Frauen profitieren von den Cash-for-Work-Programmen, die indirekt 980 Menschen erreichen, deren Versorgung mit Nahrungsmitteln gefährdet ist.

- Durch finanzielle Unterstützung: Notarzt-Service für alle "Oasen-Nutzer"

- Regelmäßige Frauenkomitee-Sitzungen, an denen die Service-Kräfte, die Flüchtlinge und die Entscheidungsträger des Lagers teilnehmen.

- Servicestellen für Fälle von sexueller Belästigung, geschlechterabhängiger Gewalt, Fragen des rechtlichen Status

- #HeforShe Dialog-Sessions mit Männern, um häusliche Gewalt zu bekämpfen, aber auch um Frauen durch den Aufbau von Kapazitäten in Leadership und ihr Engagement in der Gemeinschaft zu stärken.

 

Wenn Sie Za'atari unterstützen wollen finden Sie Informationen unter den Hashtags #Zaatari, #UNWomen und #Empowerment, oder ganz einfach auf der Facebook-Seite der UN-Frauen.

 

 

 

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