< Zur Mobilversion wechseln >

Meinung: "Behaltet euch euren Fruchtbarkeitstest!"

von

Der Selbsttest Juno verspricht vorauszusagen, wie lange eine Frau noch fruchtbar sein wird. Das soll den Frauen Entspannung bei der Kinderplanung bringen. In der Puls4-Show "2 Minuten, 2 Millionen" räumte das Start-up ordentlich ab. WIENERIN-Autorin Ursula Neubauer hält davon nichts.

Fruchtbarkeitstest Juno 2 Minuten 2 Millionen

JetztUrsula Neubauer(Wienerin)

Als großer Heilsbringer wird der Fruchtbarkeitstest für Zuhause angepriesen, der gestern groß in der Fernsehshow "2 Minuten, 2 Millionen" vorgestellt wurde. Und er bekam Zuspruch von den Investoren. "Juno" heißt das Ding, das mir angeblich "Entspannung" in Sachen Kinderplanung bringt, wie die Hersteller und Entwickler sagen. Denn es will mir voraussagen, wie viele Jahre ich noch schwanger werden kann. Ich bin 33, hab keine Kinder. Dürfte also genau in die Zielgruppe fallen. Und halte davon absolut nichts.

Dabei würde es ganz leicht gehen: Ich müsste mir nur das Selbsttest-Kit bestellen, meine Blutprobe einschicken, einen Online-Fragebogen zu meinem Lebensstil ausfüllen und schwupps errechnet mir ein Algorithmus eine Einschätzung (!) meiner Fruchtbarkeit. Ach ja, und den stolzen Preis von € 149,- müsste ich bezahlen.

Warum ich das nicht machen würde

Nie im Leben würde ich diesen Test machen. Und das hat mehrere Gründe:

1. Weil ich grade bei so einem Thema - und auch weil manche Gynäkologen den Selbsttest kritisch sehen - lieber auf meine Frauenärztin vertraue. Die kennt mich, die weiß, wann welche Untersuchung oder welcher Test für mich passt, wann er sinnvoll ist und mit der kann ich in Ruhe und persönlich reden.

2. Kommt mir das Ding mit einem Preis von ab € 149,- (in der Basisversion) wirklich richtig teuer vor, solche Bluttests bieten Kinderwunschkliniken oder Gynäkologen auch weit günstiger an (zwischen € 65,- und € 88,-). Und auch ein Termin bei meiner Privat-Gynäkologin inkl. fachlich wirklich kompetenter Beratung ist günstiger.

3. Kommt dort eine „Einschätzung“ raus, wie lange meine Eizellenreserve wohl groß genug sein KÖNNTE, eine "Prognose", eine "Wahrscheinlichkeit", also bitte wie soll mich eine Wahrscheinlichkeit entspannen?

4. Würde es mich außerdem sicher nicht entspannen, wenn ich das genauer wüsste als jetzt, sondern zusätzlich nur noch mehr stressen und verunsichern. Vielleicht kommt da auch die Psychologin in mir durch, die sich nicht erst an der Uni mit dem Thema Self Fulfilling Prophecy beschäftigt hat. Da gibt´s z.B. faszinierende Daten, dass Amerikaner mit asiatischer Abstammung öfter an einem 4. eines  Monats einen Herztod erleiden - die 4 gilt für viele Asiaten nämlich als absolute Unglückszahl. Oder ich denke an die vielen Untersuchungen, die zeigen, wie wirksam Placebos sind - eben weil unser Kopf, Geist, was auch immer, davon ausgeht, dass ihn diese Tablette schmerzfrei macht oder heilt. Wenn ich das jetzt also konsequent weiterdenke ... was passiert dann wohl mit mir, wenn mir jemand vermeintlich genau sagen will, wie lange ich noch Kinder kriegen kann und ich das wirklich glaube ...?

Geldmacherei oder wirkliche Mission?

In Interviews sagt der Entwickler des Verfahrens und Gynäkologe Alexander Just, dass er Frauen davor bewahren will, dass sie sich mit dem Thema Kinderwunsch erst beschäftigen, wenn es quasi zu spät wäre. Aber ganz ehrlich: Meine Frauenärztin sagt mir das bei jeder Kontrolle. Als kinderlose Frau wird man oft genug drauf angesprochen und was genau ist jetzt neu an der Info, dass die Fruchtbarkeit von Frauen mit den Jahren abnimmt?

Ja, vielleicht wird zu wenig drüber geredet, mag sein. Ja, vielleicht wollen es Frauen gerne manchmal nicht wahrhaben, dass das einfach so ist. Aber Bewusstseinsschaffung geht bestimmt auch günstiger.

Noch mehr Druck für die Frauen, nein danke!

Am wenigsten nachvollziehen kann ich persönlich dieses Argument mit der "Entspannung", also dass das Thema Kinderplanung auf einmal "entspannter" wäre, wenn ich wüsste bis wann ... Ich glaube, dass es bei vielen Frauen den gegenteiligen Effekt haben könnte. Also ich jedenfalls wär um nichts ruhiger, wenn jetzt der Zeitcountdown genau heruntergezählt werden würde. Ganz im Gegenteil. Ich zieh die Unsicherheit wirklich vor. Irgendwann wird´s nicht mehr gehen. Ja. Aber bis dahin mag ich bitte ein entspanntes Leben führen und mich nicht unnötig wahnsinnig machen lassen. Ah ja und die € 149,- kann ich auch für was anderes ausgeben.

 

 

 

Kommentare

Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

2 Kommentare
Gast: julchen1980
22.04.2016 12:16

Geld ist kein Argument

Also ich nehme seit 12 Jahren die Pille und habe somit für künstliche Hormone an die 3.000 Euro an diverse Pharmakonzerne und Apotheken bezahlt. Wenn ich 3.000 Euro ausgeben kann, um nicht schwanger zu werden, kann ich auch 190 Euro ausgeben für einen Test, der mir sagt, wie lange ich noch fruchtbar bin - so ich es denn wissen will. Für so eine wichtige Auskunft finde ich 190 Euro noch nicht mal viel. Bei meinem Gyn leg ich 130 Euro ab für eine Standarduntersuchung ohne dass ich viel Infos mitbekomm....

Gast: STB
21.04.2016 21:52

Seriöse Berichterstattung oder "wie beurteile ich was das ich gar nicht kenne bzw wo ich mich gar nicht auskenne?"

Unglaublich seriöse Berichterstattung! Einen Test zu beurteilen, den man nicht einmal selbst durchgeführt hat ist schon genial.... Sollte die liebe Redakteurin vielleicht besser wo als "Wunderwuzi" anheuern ... Na-no-na-net..... bin noch immer ganz fertig von der Wortwahl und der Seriosität.... :-))