< Zur Mobilversion wechseln >

#IchbinFeminist: "Feminismus schließt Männer nicht aus - ist aber auch keine Lila Spaßpause"

von

Die Autorin und Feministin Barbara Streidl plädiert dafür, dass auch Männer Teil der Bewegung sind.

JetztJelena Gučanin(Wienerin)


Die WIENERIN-Kampagne #IchbinFeminist holt sie vor den Vorhang: Männer, die Frauen zuhören. Männer, die Gleichberechtigung einfordern. Männer, die sich als Feministen bezeichnen. Denn im Jahr 2016 sollte das eigentlich selbstverständlich sein.

Das sieht auch Barbara Streidl so. Die Autorin des Buches „Wir Alphamädchen. Warum Feminismus das Leben schöner macht“ erklärt, warum wir Männer im Kampf für Gleichberechtigung brauchen und wieso wir keine Angst vorm Begriff Feminismus haben dürfen.

 

Gibt es Ihrer Meinung nach noch eine gewisse Angst oder Phobie vor dem Begriff "Feminismus"?

BARBARA STREIDL: Angst ist schon zu viel gesagt, denke ich, aber ein gewisses Augenrollen gibt es natürlich noch, und zwar geschlechter- und generationenübergreifend. Was, wie ich hoffe, weniger mit dem tatsächlichen Bedürfnis nach Geschlechtergerechtigkeit zu tun hat - die wollen dann doch die meisten - sondern eher mit Ermüdungserscheinungen hinsichtlich öffentlicher Debatten.

 

Welche Klischees herrschen nach wie vor in vielen Köpfen vor, was Feministinnen angeht?

Viele stellen sich Männerhasserinnen vor, die lauthals "Schwanz ab"-Parolen skandieren. Aber ebenso wie es viele unterschiedliche Feminismen gibt, gibt es auch viele unterschiedliche Feministinnen. Die keinesfalls in einer F-Uniform stecken. Sondern an unterschiedlichen Themen arbeiten, forschen und Forderungen formulieren: vom Netz über die Genderwissenschaften zur Ökonomie etwa.

 

Sie schreiben in Ihrem Buch "Wir Alphamädchen - warum Feminismus das Leben schöner macht" unter anderem auch: Nicht die Männer sind die Feinde, sondern die ungerechten gesellschaftlichen Strukturen. Und die gelte es zu bekämpfen - gemeinsam mit den Männern. Das heißt: Wir brauchen Männer im Kampf für Gleichberechtigung?

Natürlich - und da stehen doch auch schon viele. Die ein Interesse daran haben, in gleichberechtigten Beziehungen und Partnerschaften zu leben, privat wie öffentlich. Dass es immer noch Strukturen gibt wie etwa die Vorstellung, dass ein Kind zur Mutter gehört und nicht zum Vater - darüber schreibe ich auch in meinem aktuellen Buch "Lasst Väter Vater sein"- , ist bedauerlich und hindert Menschen daran, in einer geschlechtergerechten Welt zu leben.

 

Die Idee, dass niemand aufgrund seines Geschlechts benachteiligt werden soll, ist doch für alle gut.
Barbara Streidl

 

 

Können Männer Feministen sein - oder ist Feminismus in erster Linie eine Bewegung für die Selbstermächtigung der Frauen?

Historisch gesehen hat die Frauenbewegung natürlich damit zu tun, dass Frauen eine Stimme erhalten, dass sie politisch aktiv, sichtbar werden.

Prinzipiell aber schließt der Feminismus Männer nicht aus: Die Idee, dass niemand aufgrund seines Geschlechts benachteiligt werden soll, ist doch für alle gut.

 

Unter welchen Bedingungen können Männer Feministen sein - gibt es etwas, das sie beachten sollten?

Ach, da es eben viele Feminismen gibt, kann ich mir auch viele unterschiedliche Feministen vorstellen. Dass die das Ganze natürlich ernst nehmen und sich nicht bloß eine Lila Spaßpause gönnen wollen, versteht sich.

 

Vielleicht müssen dann da die guten alten Redelisten eingeführt werden.
Barbara Streidl

 

 

Kann das auch nach hinten losgehen - also dass männliche Feministen Frauen erklären, was sie zu tun und zu denken haben?

Leider gibt's diese Belehrungen immer, und da Menschen vielerorts daran gewöhnt sind, dass Männer dozieren und Frauen schweigen, kann das schon schwierig sein. Ich glaube ans Reden, aber auch ans Zuhören - geschlechterübergreifend. Vielleicht müssen dann da die guten alten Redelisten eingeführt werden.

 

Warum bezeichnen sich immer noch so wenige Frauen als Feministinnen - auch wenn sie feministischen Anliegen im Grunde zustimmen würden?

Das liegt wohl an zwei Sachen. Erstens an dem teilweise unpopulären Image des Feminismus, wie bereits erwähnt wurde, dem sich viele nicht zugehörig fühlen wollen. Zweitens ist mit Feminismus auch ein gewisser Opferstatus verbunden, also so etwas wie "Ich werde benachteiligt, weil ich eine Frau bin". Das gefällt vielen Frauen nicht, vor allem den jüngeren, die doch auch erzogen werden, dass die Welt ihnen zu Füßen liegt, dass alles möglich ist.

 

Barbara Streidl

Zur Person

Barbara Streidl, 1972 geboren, Studium der Literaturwissenschaften in München. Sie ist Journalistin und Musikerin in München, arbeitet neben anderen für den Bayerischen Rundfunk und moderiert das Magazin Zündfunk auf Bayern 2. Im August 2015 erscheint ihr Buch „Lasst Väter Vater sein. Eine Streitschrift.“ (Beltz).


 

Kommentare

Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen