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Interview: Marina Hoermanseder: "Ich lasse mir nicht vorwerfen, dass ich mit meiner Arbeit Geld verdiene"

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Wien-Berlin-Paris: Marina Hoermanseder ist mit ihren Kreationen längst zum neuen Aushängeschild der österreichischen DesignerInnenszene geworden. Wir haben mit der Wahl-Berlinerin über ihre Mode, Berliner Style und ihre neue Kooperation mit eos gesprochen.

eos x MH

TrendsBirgit Brieber(Wienerin)

Wien-Berlin-Paris: Marina Hoermanseder ist mit ihren Kreationen längst zum neuen Aushängeschild der österreichischen DesignerInnenszene geworden. Wir haben mit der Wahl-Berlinerin über ihre Mode, Berliner Style und ihre neue Kooperation mit eos gesprochen.

Wie ist es zu der Kooperation mit eos gekommen?

Ich war immer schon ein riesen eos-Fan und als das Unternehmen mit der Idee einer Kooperation auf mich zugekommen ist, hab ich keine Sekunde gezögert. Es ist ja nicht nur ein Pflegeprodukt, sondern auch ein Designobjekt. Schon jetzt gibt es viele SammlerInnen.

 

Was macht die Marina Hoermanseder x eos Lippenbalsame so besonders?

Es ist natürlich eine limited edition im typischen Marina Hoermanseder Look. Wir haben zwei Balsame übereinander gestapelt. Der untere ist ein Swirl und spiegelt den Strapskirt wider. Der Obere hat einen Schmetterling drauf und steht für den Teampulli. So gesehen ist es ein ganzer Look mit Lederrock und Teampulli.

 

PR Bilder eos x marinahoermanseder

 

Der sehr spezielle Lederrock wird in Kombination mit dem Teampulli sehr alltagstauglich. War das die Intention?

Absolut, also ich habe ja von Anfang an immer mit Kontrasten gespielt. Kontraste machen das ganze interessant. Der Pulli einerseits lässt dem Rock seinen Auftritt. Andererseits möchte ich zeigen, dass der Rock in Kombination mit lässigen Teilen auch absolut easy und cool sein kann.

 

Sie haben in der Vergangenheit unterschiedlichste Kooperationen gemacht. Catrice, Rauch, Swarovski, Wolford. Gibt es einen Lieblingskooperationspartner?

Nein, jede Kooperation ist für sich ist total spannend und macht für mich ein neues Feld der Produkte und der Kommunikation auf. Ich kann meinen Horizont erweitern und so viel von anderen Branchen lernen, deswegen kann ich mich da gar nicht auf einen Lieblingspartner festlegen. Ich suche immer wieder die Chancen mich weiterzuentwickeln.

 

Was sagen Sie Kritikern, die Ihnen in Sachen Kooperationen Beliebigkeit vorwerfen?

Das lasse ich mir nicht vorwerfen. Auch wenn jemand der Meinung ist, mir Input geben zu müssen, wie ich mein künstlerisches Geschäft als Business in die grünen Zahlen bringe. Ich weiß, wann ich aufpassen muss, wie ich zu entscheiden habe, welche Kooperation ich mache und welche nicht. Eine gründliche Selektion ist schon ausschlaggebend und wichtig. Aber ich werde mir nicht zum Vorwurf machen lassen, dass ich mit meiner Arbeit Geld verdiene.

 

In Interviews fällt Ihr wirtschaftlicher Zugang zu ihrer Arbeit auf. Schlägt sich das mit der Kunst?

Das müssen die Kritiker beurteilen, die meine Kollektion bewerten. Also ich bin der Meinung, dass ich auch das Kreative sehr gut hin bekomme. Die Shows haben eher Eventcharakter. Da ist es nicht zwangsläufig so gedacht, dass alle Teile gut verkäuflich sein müssen. Aber am nächsten Tag nach der Show geht's dann darum, was man verkauft und wie man ein Geschäft draus macht. Das ist schon immer eine gute Balance für mich. Ich habe zwei Herzen in meiner Brust, die Künstlerin und die Ökonomin. Ich würde mich auch nicht für einen Weg entscheiden wollen.

 

Gibt es ein Unternehmen, mit dem Sie nicht kooperieren würden?

Ich würde zum Beispiel nicht mit einem Kosmetikhersteller zusammenarbeiten, der Tierversuche macht. Für alles, was ethisch zu mir und meinem Label passt, bin ich grundsätzlich offen. Und die Firmenpolicy muss auch zu mir passen.

 

Woher beziehen Sie ihr Leder?

Aus Italien und Belgien, zur Gänze aus der Fleischproduktion. Ich lege großen Wert auf gute Produktionsstätten und würde nie Leder für den halben Preis aus Ländern einkaufen, die Tiere nur für das Leder züchten.

 

Sie zitieren in Interviews oft ihren Vater, meistens mit sehr schönen Ratschlägen. Ist er ihr wichtigster Ratgeber?

Ja, auf jeden Fall. Ich rufe ihn wahnsinnig oft an, weil ich von ihm einfach so viel lernen kann. Ich glaube, mein Vater ist wirklich der einzige, von dem ich gerne Rat annehme.

 

Was tragen Sie privat gerne?

Ich halte es privat eher easy. Man findet mich auf Events in hohen Schuhen, aber wenn ich arbeite, kleide ich mich sehr entspannt. Jeans, T-Shirt. Es ist ein Irrglaube, dass bei uns alle super gestylt herumlaufen. Was ich anziehe, muss zum Arbeiten passen. Im Atelier, bei der Arbeit mit Leder, wird mit Farben und viel am Boden gearbeitet. Da brauche ich jetzt nicht viel Kleidung anhaben, auf die ich besonders Acht geben muss. Ich bin da sehr flexibel.

 

Sie sind ja Wahl-Berlinerin. Ist der Stil und das Thema Mode in Berlin ein großer Unterschied zu Wien?

Ja, total. Es ist so, dass man in Berlin das Gefühl hat, es sei alles erlaubt. Allein die Menschen auf der Straße sind super inspirierend. In Berlin wundere ich mich nicht, wenn im Supermarkt jemand im Pyjama rumläuft. Man sieht Kombinationen und Styles, die in Wien so nicht vorkommen würden. Aber Berlin birgt die Gefahr, dass man zu legére wird. Da gibt es Clubs in die man nicht reinkommt, wenn man hohe Schuhe anhat. Deswegen mag ich es gerne, wenn ich am Wochenende in Wien bin, wenn am Samstagnachmittag alle in die Stadt gehen und sich hübsch machen. Das mag ich an Wien.

 

Wie ist man im Sommer immer gut angezogen?

Der erste Schritt, um gut angezogen zu sein ist, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Nicht jedem zum Beispiel steht ein bauchfreies Top. Ich gehöre auch zu jenen, deshalb würde ich es nie tragen. Es geht aber nicht nur darum, was man trägt, sondern wie der Schnitt sitzt, wie etwas passt. Dafür kann man ruhig auch einmal Beratung in Anspruch nehmen. Es gibt Menschen, deren Job es ist, jemandem zu sagen was perfekt zur Figur, zum Teint und zur Gesamterscheinung passt.

 

Stylen Sie sich immer selbst?

Nein, ich stelle meine Outfits auch nicht immer selbst zusammen. Es ist schon ein Unterschied, wenn nochmal jemand einen Denkanstoß gibt, was man vielleicht auch einmal anderes anziehen könnte.

 

Welche Teile dürfen in Ihrem Schrank nicht fehlen?

Auf jeden Fall ein paar hohe Schuhe. Nicht zu hoch, damit man darin gehen kann. Damit  kann man auch jeden Look nochmal zum Business Style umfunktionieren. Und eine gut sitzende Bluse oder ein Männerhemd, damit macht man nie etwas falsch. Auch richtig gute Basics sind wichtig. Lieber da wirklich gut investieren anstatt sich den 50. Fetzen zu kaufen, der nach zwei Mal waschen die Form verliert und ausgeleiert ist.

 

Wie würden Sie Ihre Mode in drei Wörtern beschreiben?

Easy Prêt-à-porter, Avantgarde Couture, ein Hauch Fetisch.

 

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