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Schönheitspionierin: Helena Rubinstein im Jüdischen Museum: Die Geschichte einer erfolgreichen Frau

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Am Anfang war eine, die nicht heiraten wollte. Eine 24-jährige polnische Jüdin aus Krakau, die 1896 nach Australien floh, statt sich einen Mann zu nehmen. Zwanzig Jahre später besaß Helena Rubinstein ein Kosmetik-Imperium. Das Jüdische Museum hat der ersten Self-Made-Millionärin der Welt jetzt eine Ausstellung gewidmet.

Helena Rubinstein

PflegeMartina Parker(Wienerin)

Die Erfolgsgeschichte startete eigentlich mit einem Skandal. Nach einer Affäre mit einem Studenten von den Eltern aus dem Haus geworfen und auf der Flucht vor einer Zwangsehe mit einem anderen, heuerte die junge Helena bei einem australischen Onkel als Kindermädchen an. Mit im Gepäck hatte sie 12 Tiegel Hautcreme, produziert von den Krakauer Brüdern Lykuski.

Auf dem „Fünften Kontinent" wurde die nur 1,45 Meter kleine, mollige Polin wegen ihrer zarten weißen Haut von den durch Wind und Wetter gegerbten einheimischen Frauen beneidet. Und hier zeigte sich zum ersten Mal ihre Fähigkeit, Träume zu verkaufen. Keine konnte den sonnenverbrannten Australierinnen so toll von den – vollkommen fiktiven – Rezepturen und Wirkungen einer ganz normalen Gesichtscreme erzählen. Mit Begriffen wie „seltene Kräuter aus den Karpaten“ und „Geheimrezept von den besten Hautpflegeexperten Europas“ weckte sie Begehrlichkeit. Erst orderte sie noch Nachschub bei den Lykuskis, bald schon rührte sie die Cremes selbst an. Und schnell stellte sich heraus: Je mehr Helena Rubinstein für ihre Kosmetika verlangte, desto mehr wurde davon gekauft. Die erste Luxuskosmetik im Hochpreissegment war erfunden.

 

(c) Getty Images (Orlando) Beauty Tipps von Rubinstein

 

Mit Abenteuerlust, Unternehmergeist, Dreistigkeit und einer naturgegeben schönen Haut - dem besten Werbemittel für ihre Kosmetik -  eroberte die junge Polin nicht nur Australien, sondern verbreitete ihre Philosophie in Sachen Schönheit bald schon in der ganze Welt.

 

Rubinsteins Aufstieg

 

Helena Rubinsteins wichtigste Ratschläge: Es gibt keine hässlichen Frauen, nur faule! Eine Frau solle sich diszipliniert pflegen, anderthalb Stunden Mittagsschlaf halten und immer auf ihre Haltung achten! Außerdem würden die Frauen nicht alle an Verstopfung und daher welker Haut leiden, wenn sie mehr laufen würden. Schönheit ist harte Arbeit.

 

Helena Rubinstein expandierte nach London, nach Paris und schließlich nach New York, wo sie einen lebenslangen Konkurrenzkampf mit Erzrivalin Elizabeth Arden begann. Beide Frauen schlugen neue Vertriebswege ein, indem sie ihre Cremes in Kaufhäusern anboten, beide errichteten erstmals luxuriöse Schönheitstempel, in denen neben Beautybehandlungen auch Gymnastikstunden und Massagen angeboten wurden, und beide nutzten neue Werbeformen wie Gratisproben. Und auch privat verband die beiden Konkurrentinnen mehr, als ihnen lieb war. Beide gingen unglückliche Ehen ein, die in ihrer Folge an ihrer Emanzipation und ihrer Arbeitswut scheiterten und beide heirateten in Folge erneut und zwar mittellose osteuropäische Prinzen mit fragwürdigen Adelstiteln und wurden nichtsdestotrotz damit über Nacht Prinzessinnen.

 

Helena Rubinstein residierte sogar wie eine Prinzessin. Als ihr in der Park Avenue ein Mietvertrag verweigert wurde, weil jüdische Mieter dort nicht erwünscht waren, kaufte sie kurzerhand das ganze Haus und lebte dort fortan mit ihrer gigantischen Kunstsammlung, die allerdings mehr Masse als Klasse enthielt. „Helena Rubinstein besitzt die schlechtesten Bilder der besten Künstler ihrer Zeit“, so die Kritikerhäme. Helena Rubinstein konterte: „Qualität ist nett, aber Quantität macht mehr her.“

 

Dennoch war sie die erste, die Kunst mit Kosmetik verknüpfte und damit ihren Produkten eine höhere Wertigkeit verlieh. Designer und Künstler entwarfen für sie Flakons und Verpackungen. Schriftsteller texteten für sie Werbeanzeigen, Prospekte und das hauseigene Magazin. Architekten designten ihre Schönheitssalons, die sich den Besucherinnen als „Tempel der Kunst" präsentierten.

 

„Er ist tot, warum das viele Geld verschwenden?"

 

Und das Imperium wuchs und wuchs. 1953 errichtete Helena Rubinstein eine der größten Fabriken, die je von einer Frau geschaffen wurden. Niederlassungen in Großbritannien, Frankreich, Deutschland, der Schweiz, Italien, Israel, Australien, Japan, Kanada und Südamerika folgten. Die Produktion war gut durchrationalisiert. Der gesamte Bedarf von Creme, Lotion und Wässerchen für Frankreich, Skandinavien und die Beneluxländer wurde 1964 von nur vier Arbeitskräften in mächtigen Kupferkesseln gekocht. Den Puder für diesen riesigen Verbrauchermarkt produzierte ein Maschinensystem mit einer einzigen Bedienungskraft.

 

(c) Getty Images (M. McKeown) Helena & Hardy

 

Einerseits glänzte und protzte Helena Rubinstein mit ihrem Reichtum, andererseits war sie unendlich sparsam. Sie beschenkte Schönheitsreporterinnen mit echtem Schmuck, um sie für sich und ihre Produkte einzunehmen, aber war zu geizig, um zur Beerdigung ihres zweiten Mannes von Paris nach New York zu fliegen: „Er ist tot, warum das viele Geld verschwenden?", sagte sie zu ihrem Sekretär.

 

Als sie 1965 in einem New Yorker Krankenhaus starb, hinterließ Helena Rubinstein ein Kosmetikimperium mit 100 Niederlassungen in 14 Ländern und etwa 30.000 Beschäftigten im Wert von 17,5 Millionen US-Dollar sowie ein Privatvermögen von mehr als 100 Millionen US-Dollar. Ihr Wunsch: Das Unternehmen möge noch 100 weitere Jahre bestehen. 7 Jahre später verkauften die Erben alles an Colgate. Seit 1984 gehört die Marke zum L´Oréal Konzern.

 

In einem ihrer letzten Interviews nahm Helena Rubinstein noch ein Mal zu Erzfeindin Elizabeth Arden Stellung und zeigte sich dabei überraschend kooperativ, wenngleich auch mit einem kleinen Giftstachel: „Wir sind einander nie begegnet, aber mit ihren Verpackungen und meinen Cremes hätten wir die ganze Welt regieren können!“ 

 

Helena Rubinstein. Die Schönheitserfinderin. „Helena Rubinstein. Die Schönheitserfinderin“ ist von 18. Oktober 2017 bis 6. Mai 2018 im Museum Judenplatz (Jüdischen Museum Wien), einem Museum der Wien Holding, zu sehen. Zu der von Iris Meder kuratierten, von Danielle Spera und Werner Hanak-Lettner koordinierten und von Judith Eiblmayer gestalteten Ausstellung erscheint auch ein zweisprachiger Katalog zum Preis von EUR 29,95 im Amalthea Signum Verlag mit zahlreichen Abbildungen. Das Museum Judenplatz, 1010 Wien, Judenplatz 8, ist von Sonntag bis Donnerstag von 10 bis 18 Uhr, Freitag 10 bis 14 Uhr (Winterzeit) bzw. 17 Uhr (Sommerzeit) geöffnet. Das Jüdische Museum Wien in der Dorotheergasse 11, 1010 Wien ist von Sonntag bis Freitag 10 bis 18 Uhr geöffnet

 

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