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BuzzCut: Ich habe mir als Frau eine Glatze rasiert - Was dann passiert ist

von

Eine Frau mit raspelkurzen Haaren hat´s nicht leicht. Kollegin L. berichtet über Reaktionen nach ihrer Entscheidung für den BuzzCut.

BuzzCut

HaareRed.(Wienerin)

 

Eigentlich war ich (26) ja nie der Typ für „normale“ Haare. Schon in meiner Schulzeit jagte eine Haarfarbe die andere. Je ausgeflippter, desto besser. Durch meine ständigen, schrägen Haarlooks war ich meistens vor den ungebetenen Avancen diverser Männer sicher. In einer kurzen „Ich bin jetzt ja schon fast erwachsen und muss auch allen anderen gefallen Phase“  habe ich mir vor 3 Jahren einen mädchenhaften, schulterlangen Bob mit Stirnfransen wachsen lassen. Prinzipiell wollte ich aber nie eine Frau sein, die in die „Norm“ passt.

Der Tag der Wahrheit

Eine Idee, die mich schon länger verfolgte war, mir die Haare auf ein paar Milimeter abschneiden zu lassen. Rotzfrech, kurz, provokant und anders. Nach wochenlanger Bearbeitung meiner Mutter (sie ist auch meine Friseurin) saß ich am Friseurstuhl. Sie nahm die Maschine und fuhr mir kommentarlos ohne Vorwarnung mit der Schneidemaschine einfach in meinen bis dahin langen, tollen Bob. Den Kundinnen neben mir stockte der Atem, keiner in dem Geschäft sagte mehr ein Wort. Meine davor noch gute Laune wandelte sich kurzeitig in Verzweiflung um und ich dachte nur: Scheiße, was machst du da grad? Als dann die blonden langen Harre am Boden lagen, meine Mutter ein bisschen schadenfroh und verzweifelt zu lachen begann und die Kundinnen aus dem Staunen nicht mehr herauskamen wusste ich: Das war die richtige Entscheidung (Obwohl ich mir die Tränchen verkneifen musste)

Cool, wie ich danach wirken wollte, flüchtete ich mit einer großen dicken Sonnenbrille raus aus dem Geschäft in die nächste Gasse hinein, zückte mein Handy, schaltete auf Selfie Funktion und dachte mir wieder "Scheiße, Scheiße, Scheiße".  Noch am selben Tag hatte ich eine Verabredung mit Freunden. Und ich hatte Angst vor den Reaktionen. Bei unserem Spritzer-Treffen war die Reaktion meiner Freunde sehr unterschiedlich. "Was hast du gemacht? Bist du wahnsinnig geworden? Jetzt warst ja grad so fesch mit deinen langen blonden Haaren!" (männliche Freunde und Oma) "Einmal im Leben will ich auch sowas Verrücktes mit meinen Haaren machen." (Freundinnen). Kurz gesagt:  Schockzustände bei den Männern, Bewunderung bei den Frauen. In diesen Momenten hätte ich mir einfach nur gewünscht, dass mich niemand mehr darauf anspricht. Das war für die meisten Menschen in meiner Umgebung aber leider nicht möglich.

Ist die jetzt lesbisch?

Da ich am Land wohne war ich schon bald das Dorfgespräch. Ist die jetzt verrückt geworden? Oder lesbisch? Immer wieder wollten Leute eine Rechtfertigung warum ich mir denn die Haare abgeschnitten habe. Meine Antwort, dass der Buzzcut eine der Trendfrisuren 2016 war, schüttelten die meisten nur den Kopf. In Zeiten, wo mich Männer mittleren Alters ungefragt bewerteten und sich über mich und meine Haare lustig machten, hätte ich mir fast wieder meine alten Stirnfransen als Schutzhülle zurückgewünscht. Nur um zu merken: Nicht ich bin das Problem, sondern die. Eine Frau ohne typisch weibliche Attribute wie Haare? Was für eine Zumutung. Glücklicherweise hatte ich auch nette Männer in meinem beruflichen Umfeld, Fotografen und Kollegen aus der Modebranche machten mir Komplimente und sahen mich als speziellen Typen, nicht als Lustobjekt. Danke dafür.

Mein Fazit

Jederzeit wieder. Ich bin froh und stolz, diesen Schritt gewagt zu haben und gleichzeitig entsetzt über die Bewertungen, die sich Frau antun muss, wenn sie sich für raspelkurze Haare entscheidet.  Frauen sind immer schön, ob mit kurzen oder langen, bunten Haaren oder ihrer Naturfarbe. Die Ausstrahlung zählt. Und eines ist für mich sicher: Ich bleibe noch etwas bei meinem BuzzCut und spaziere weiterhin stolz mit einer kurzen Frise durch die Gegend.

PS: Und nur weil ich so oft gefragt wurde: Mein Freund steht zu 100% zu mir, seit 6 Jahren und egal mit welcher Frisur.

 

 

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