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Umweltschädlich: Wer zu viel Shampoo & Co. verwendet, vergiftet unser Abwasser

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Während uns bunte Duschgels und duftende Conditioner im Badezimmer schön und sauber machen, tun sie im Wasser das genaue Gegenteil: Sie verschmutzen die Umwelt. Hier erfahren Sie, warum.

BeautyLucie Knapp(Wienerin)

Schön, so ein ausgiebiges Vollbad. Eingeschäumt von Kopf bis Fuß. Das Haar zweimal gewaschen und mit einer guten Portion Balsam geschmeidig gemacht. Herrlich! Da will man jetzt doch auch kein/e SpielverderberIn sein und mit irgendwelchen Umweltthemen schlechte Laune in die gewohnte Beauty-Routine bringen. Oder doch?

Ist Ihnen schon mal der Satz "Schädlich für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung" auf Ihrem Hygienewaschmittel oder den relativ neuen Wäscheparfums aufgefallen? Manche Produkte, allen voran flüssige Raumdüfte, sind sogar mit einem Piktogramm versehen, auf dem ein abgestorbener Baum und ein toter Fisch an einem Fluss abgebildet sind. So müssen per Gesetz Produkte gekennzeichnet werden, die nachweislich giftig für die Fauna und Flora, konkret Fische, Krebstiere und Algen bzw. Wasserpflanzen, sind.

 

Toter Fisch, abgestorbener Baum - und trotzdem kaufen wir

 

Blöd, wenn man bedenkt, dass man eigentlich nur besonders reinlich sein und gut duften will, aber genau damit die Umwelt verschmutzt. Dasselbe gilt für die Kosmetikprodukte des täglichen Bedarfs, vor allem für desinfizierende Handseifen und Haarconditioner. Dort steht nur keine Warnung drauf, weil sie von der Kennzeichnungspflicht ausgenommen sind, wie Doris Brandhuber erklärt. Die promovierte technische Chemikerin arbeitete beim Umweltbundesamt, bevor sie das Bio-Haarpflegelabel Less is More (lessismore.at) gründete. Sie sagt: "Die gesetzlichen Verordnungen für Wasch- und Reinigungsmittel zur biologischen Abbaubarkeit sind strenger als die für Kosmetik. Die Kosmetikverordnung schreibt zwar vor, dass Einzelsubstanzen aufgelistet sein müssen, weil sie direkt an die Haut kommen, reguliert aber nicht deren Umweltverträglichkeit."

 

Das führt z. B. dazu, dass bestimmte Weichmacher, genauer quartäre Ammoniumverbindungen, die in Waschmitteln und Weichspülern bereits verboten sind, immer noch in Haarbalsamen und -masken vorkommen. Obwohl sie giftig für Wasserlebewesen und schwer biologisch abbaubar sind, wodurch Kläranlagen sie kaum eliminieren können.

 

Kläranlagen spielen bei dem Thema nämlich eine Schlüsselrolle. Laut Doris Brandhuber gelten die Warnungen auf den Verpackungen für den Fall, dass ein Mittel direkt in einen See oder Fluss gekippt wird. Dort wirkt es sich drastisch aus. Kläranlagen fangen dagegen viel ab. Brandhuber ist wie Gerhard Herndl, Dekan an der Fakultät für Lebenswissenschaften und stellvertretender Leiter des Departments für Limnologie und Bio-Ozeanografie, der Meinung, dass der Wasserschutz in Österreich gut funktioniert: "Die Zeiten, in denen unsere Flüsse Schaumkronen trugen, sind vorbei." Trotzdem geht einiges durch und gelangt von unseren Abflüssen durch die Filter und Senkbecken der Kläranlagen in die Flüsse und schließlich ins Meer.

 

Mikroplastik ist besonders problematisch

 

Gerhard Herndl bezeichnet hormonell wirksame Stoffe, wie z. B. Parabene, und kleine Teilchen, wie Mikroplastik und Nanopartikel, als besonders problematisch. Nanopartikel werden immer öfter in Medizin und Kosmetik eingesetzt, da diese kleinsten Einheiten verschiedener Stoffe gut in den Körper eindringen, weil sie so klein sind, dass kein Filter sie aufhalten kann. Über abwaschbare Produkte oder unsere Ausscheidungen landen sie daher in immer größeren Mengen im Wasser. Man kann heute noch nicht abschätzen, wie sie sich in der Natur auswirken. Fest steht nur, dass sie es irgendwann tun werden -besonders auf lange Sicht. Die Nebenwirkungen und Begleiterscheinungen neuer Stoffe erkennt man meistens erst nach vielen Jahren.

 

5 Tipps, um die Umwelt zu schützen

Tipps zum Wasserschutz von Doris Brandhuber und Gerhard Herndl.

1. PLASTIK VERMEIDEN. Die Kosmetik verursacht nur einen kleinen Teil der Mikroplastikproblematik. Die Hauptursache ist unser allgemeiner Umgang mit Kunststoff. Herndl: "Die Plastikproduktion hat sich zwischen 2000 und 2013 auf 280 Millionen Tonnen verdoppelt." Vieles davon landet auf Stränden und in Gewässern, wo es immer mehr zerkleinert wird. Brandhuber: "Der größte Teil stammt von Kunststoffabfällen und Reifenabrieb." Definitiv vermeidbar!

2. AUF CHICHI VERZICHTEN. Fast jedes Beauty-Produkt ist beduftet, viele davon sind gefärbt oder mit schimmernden Zusätzen versehen. Das ist im Bad ganz hübsch, zerlegt sich aber im Wasser in seine potenziell schädlichen Einzelteile, etwa den Duftstoff Moschus-Keton oder Plastikpartikel für den Glitzereffekt. Es sind auch nicht alle Farbstoffe unumstritten. Besser: Produkte, die nur aus den nötigsten Zutaten bestehen.

3. MIT CONDITIONER SPAREN. Alle konventionellen Conditioner, die das Haar weich, leicht kämmbar und geschmeidig machen, enthalten aquatische Toxine, sind also giftig für Wasserorganismen. Die umweltfreundlichen bzw. umweltneutralen Ersatzstoffe funktionieren zwar gut, aber nicht ganz so gut wie die konventionellen. Wer also gar nicht drauf verzichten kann, sollte nur minimalste Mengen, also einen Fingerhut voll, verwenden.

4. NATURKOSMETIK KAUFEN. Wer nicht alle chemischen Bezeichnungen auswendig lernen und jede Inhaltsstoffliste durchlesen will, ist mit zertifizierter Naturkosmetik am besten beraten. Doris Brandhuber: "Naturkosmetik muss biologisch gut abbaubar sein, sonst würde sie nicht zertifiziert werden. Problematische Substanzen sind dort einfach nicht erlaubt."

5. BAKTERIEN LEBEN LASSEN. Gerhard Herndl: "Je sauberer wir sind, je öfter wir uns waschen, desto mehr belasten wir die Umwelt." Das gilt vor allem für desinfizierende Seifen bzw. Reiniger und Hygienespüler, die Biozide enthalten. Brandhuber: "Damit werden auch die Mikroorganismen in den Kläranlagen nicht fertig." Daher deren Einsatz auf das Allernötigste beschränken.

 

Gerhard Herndl: "Am Meeresboden entlang der Schifffahrtsroute von Dover nach Calais im Ärmelkanal konnte man eine erhöhte Konzentration an Tributylzinn feststellen; ein Bestandteil von Schiffsanstrichen. Dieser führte dazu, dass die dortigen Meeresschnecken ihr Geschlecht umwandelten und fortpflanzungsunfähig wurden." Tributylzinn wurde 2008 verboten und ist ein perfektes Beispiel dafür, wie und wo ein Stoff unerwarteterweise Probleme machen kann. Herndl: "In den seltensten Fällen fallen Organismen einfach tot um, aber durch die lange, permanente Wirkung in niedrigen Dosen kommt es zu Veränderungen."

 

Sollen wir also nicht mehr duschen?

 

Ganz ähnlich ist es beim Mikroplastik, das sich in den letzten Jahren zum Problem ausgewachsen hat. Oder Silikon, das zwar nicht giftig ist, dafür aber besonders schwer abbaubar und lange im Wasser bleibt. Dort wird es ähnlich wie Plastikpartikel, wie Gerhard Herndl beschreibt, von tierischem Plankton aufgenommen. Das verhungert dann entweder, weil es die Partikel nicht verdauen kann, oder es wird vom Nächsten in der Nahrungskette gefressen. So landen die Partikel wahrscheinlich irgendwann wieder auf unseren Tellern. Doris Brandhuber bestätigt: "Man findet Silikone auch in Fischen."

 

Was soll man also tun? Nicht mehr duschen? Keine Hände waschen? Die Haare strohig vom Kopf stehen und verfilzen lassen? Muss nicht sein. Sinnvoller ist es, die eigenen Konsumgewohnheiten zu hinterfragen, das Richtige einzukaufen und dann sparsamer damit umzugehen.

 

Die wichtigsten Lösungsvorschläge unserer ExpertInnen haben wir im Kasten für Sie zusammengefasst. Denn auch wenn jede/r Einzelne nur einen kleinen Anteil am großen Ganzen hat - jede Bemühung ist sinnvoll, wirkt sich auf die Gesetzgebung und den Markt aus. ProduzentInnen reagieren auf die Wünsche ihrer KundInnen von silikonfrei bis umweltfreundlich. Der Kosmetikbereich ist ein guter Trendgeber und bringt Themen auf den Tisch. Allein das kann schon viel verbessern - auch, wenn wir dabei alle ein bisschen weniger sauber sind.

 

 

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