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Blog: von Heidi Rietsch

Berlin #2: Sonntags B.

von von Heidi Rietsch

Sommer, Sonne, Gras und Spree – das Protokoll eines glückseligen Sonntags im dicken B. >>

Wenn alle den Kopf der Sonne zudrehen, die Augen hinter den Ray-Bans schließen und sich das Leben anfühlt wie ein prickelnder Hauch an dieser Stelle zwischen Ohr und Nacken. Wenn es plötzlich ganz ruhig wird für einen Moment, auch im Kopf, und sich alle gemeinsam unendlich fühlen. Wenn du die Augen wieder öffnest, weil dir deine Lieblingsbarista Katharina mit leisem Löffelklirren einen Galão und ein Pastel de Nata aufs breite Fenstersims vom Café Galão stellt. Dann weißt du: Es ist Sonntag. Du bist in Berlin. Und es wird ein verdammt geiler Tag.

1. Station: Galão (Weinbergsweg 8)

 Galão (c)Young-Soo Chang

Ab Seite vier der Berliner Zeitung erinnert dich dein Magen lautstark dran, dass auch der beste Kaffee plus Dessert nicht mehr ausreicht zum bedingungslosen Glück. „Nola's?“, sagst du und schaust dein Gegenüber an, das du so gern anschaust, und überhaupt immerzu anschauen könntest, weil du darin die Geschichte einer sauguten Freundschaft sehen kannst. Im fünf Gehminuten entfernten Nola's am Weinberg ächzen die Bänke und Tische unter der leckeren Last von Lachsbrötchen, Obstkuchen und Omelettes. Und weil der Brunch mit € 11,50 nicht ganz so billig ist wie im Osten, nehmt ihr noch ein bisschen Proviant mit.

2. Station: Nola's am Weinberg (Veteranenstraße 9)

 Nola (c)Young-Soo Chang

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Komm, das machen wir noch schnell“, sagst du dann auf dem Weg zum Mauerpark, wo sich die prallen Bäuche ausrasten wollen, und zeigst auf die schlafende Fotokabine vorm Kunsttreff Acud. Ihr quetscht euch in die seufzende Box, die eine echt harte Nacht voller pseudo-lustiger Grimassen abfotografiert hat, und zeigt ihr ein Grande Finale, das auch die hartgesottenste Fotokabine nicht so schnell vergisst. Und dann macht ihr noch ein zweites Foto: die publizierbare Version für die (Facebook-)Familie.

3. Station: Fotoautomat vorm Acud (Veteranenstraße 21)

 Fotoautomat (c)Young-Soo Chang

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Mauerpark tut ihr, was Berlin im Mauerpark eben so tut: Karaoke singen, zu hippe Jeans runterhandeln und Leut' schauen. Wärme speichern, im Gras knotzen und ein neues Lied hören. Viel zu früh das erste Bierchen zwitschern, vom Küsserkönig der letzten Nacht ignoriert werden - „Der hat mich doch genau gesehen!“ - und nicht so weit aufs Klo gehen wollen.

4. Station: Mauerpark (Gleimstraße 55)

 Mauerpark Leute (c)Young-Soo Chang

 Flohmarkt Mauerpark (c)Young-Soo Chang


Gerade bevor's zu viel wird und Berlin anfängt zu strudeln, zu saugen und zu wiehern, schnappt ihr euch an den Händen, drängt aus dem Amphitheater und fahrt eine Station mit der Straßenbahn zur Eberswalder-U-Haltestelle. Paar Meter von dort - im Suppe&Salat - schmeißt euch Architekturstudentin und Ur-Berlinerin Sarah (im Bild unten) paar frische Blätter, Kräuter und gegrillten Haloumi in eine weiße Schüssel. Dazu gibt’s Radler und die Rede zur Lage der Stadt von ihrem Freund, Gitarristen und Fotografen Lars (im Bild mit Sarah). Klar, dass ihr eine Stunde dort picken bleibt, weil ihr euch nicht einig seid und gleichzeitig so sehr. Bevor ihr euch trollt, ist dann auch wieder Platz im Magen für Nachtisch. „Megageilooo“, sagst du und wunderst dich, wie ein ordinärer Milchreis mit Beerenkompott so einen bescheuerten Superlativ auslösen kann. Dann zupfst du am Ohrläppchen deines Abenteuerkumpels, weil sich das grad gut anfühlt. Weil sich überhaupt alles grad gut anfühlt. Unbeschwert wie damals mit elf oder zwölf. Nur bissl erwachsener.

5. Station: Suppe & Salat (Danzinger Straße 2)

 Suppe&Salat (c)Young-Soo Chang

"Magst noch einen Kaffee?“ Ja. Man mag. Also macht ihr die paar Meter zu Fuß rüber zu Anna Blume. Schließlich wäre ein Stück Kuchen auch noch fein. Und die Sonne blinzelt gerade so sanft durch die Baumkronen. Da muss man einfach bei "Anna" im Garten hocken, oder beim Dritten Mann gegenüber oder dem Sowohlalsauch.

6. Station: Anna Blume
(Kollwitzstr. 83)

 Anna Blume (c)Young-Soo Chang

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dann geht er zu Ende. Der perfekte Sonntag. Dabei soll er doch noch nicht. "Halt ihn fest!". Also steigen wir dem Alexanderplatz aufs Dach und stehen einfach drüber, überm Montag.

7. Station: Weekend
(Alexanderstr. 7)

 Alexanderplatz (c)Young-Soo Chang

--

Gute Nacht, Berlin! Voll schön ist's gewesen. >>

 

5 Kommentare

07.08.2012 17:55

bine1972_2003

Hoi

Nach Potsdam würde ich auch mal gerne gehen - sicher voll super

03.08.2012 20:30

Gast: Auf Reisen mit Heidi

@Sabsnnn

Ja, potsdam finden wir ganz ganz super! basteln eh gerade an einem video (geht nächste woche online), wo man das ganz gut sieht, glaub ich ;-) LG!!

01.08.2012 15:37

Gast: Sabsnnn

Schööööön!

da wäre ich gern dabei gewesen! viel spaß in potsdam auch, die havel ist ganz klasse jetzt im sommer! neid!

01.08.2012 10:45

Gast: Auf Reisen mit Heidi

@Mats

Hallo Mats, sorry, dass ich mich jetzt erst melde auf dein Kommentar.. Berlin und Potsdam haben uns voll eingenommen - sehr fein hier! Deshalb bin ich auch etwas ins Schwärmen geraten, da hast du schon recht - obwohl's in dem Beitrag ja nicht um Verliebtheit sondern um tiefe Freundschaft geht ;) und wie schön das sein kann, weisst du ja bestimmt auch. Was hättest du denn gern gelesen über einen perfekten Sonntag in Berlin, Mats?

23.07.2012 20:27

Gast: Mats

Woah

Zuviel Lovestory-Geschnuppe, lieber Himmel!

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