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Der Kampf gegen die Energievampire

von

Sie sind eine gute Zuhörerin und können sich in andere hineinversetzen?"Nein" sagen und Grenzen setzen ist nicht so Ihr Ding? Genau das macht Sie zu einem beliebten Opfer für Energievampire! So halten Sie sich die Sauger vom Leib.

Energieräuber

liebenlebenMargret Handler(TypischIch)

Es gibt Menschen, die rauben uns Kraft. Nach einer Verabredung mit ihnen fühlen wir uns erschöpft und ausgelaugt oder gereizt und niedergeschlagen. Getarnt sind diese Krafträuber als hilfsbedürftige Freunde oder aber als unterhaltsame Gesprächspartner. Doch sie nutzen die Geduld und Hilfsbereitschaft ihrer Zuhörer nur schamlos aus. Zu ihnen gehört etwa die Kollegin, die einem ständig die Ohren volljammert und über jeden und alles lästert, aber an keiner Lösung ihrer Probleme interessiert ist. Oder der gute Freund, der immer nur von seinem tollen Job redet und nie nach dem des Gegenübers fragt.

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Das ideale Opfer: Der Gebertyp

Für Sozialwissenschafterin und Psychotherapeutin Ingalill Roos herrscht in solchen Beziehungen ein ganz klares Ungleichgewicht zwischen Geben und Nehmen. Energieräuber bezeichnet sie als Nehmertypen und ihre Opfer als Gebertypen.
Nehmertypen sind Menschen, die eigene Fehler und Schwächen schwer eingestehen können, sie leben in permanenter Verteidigungshaltung. So geben Krafträuber ungefragt negative Kommentare ab, kritisieren andere in der Absicht, sie abzuwerten, und widersprechen so lange, bis sie das letzte Wort haben. „Der Energieräuber bekommt einen Energiekick, während der ‚Beraubte‘ geschwächt wird, sich kraftlos und matt fühlt und am Ende sogar völlig erschöpft zurückbleiben kann“, so Autorin Roos (Energieräuber in Familie, Beziehung und Job erkennen und abwehren, Kreuz Verlag, € 15,50).
Gebertypen hingegen sind meist großzügige freundliche Menschen, die lieber „Ja“ als „Nein“ sagen. Diese Persönlichkeit riskiert in ihrem Wunsch, von anderen gemocht zu werden, sich selbst zu verleugnen. Gebertypen fällt es schwer, andere abzuweisen. Somit gehen die Bedürfnisse der anderen vor, Geber arbeiten sich halb tot für sie und tragen ihre Probleme mit. Wer immer gibt und gibt, ohne etwas dafür zurückzubekommen, verspürt jedoch bald innere Leere. Energievampire nutzen die Geduld und Hilfsbereitschaft ihrer Zuhörer schamlos aus. Höchste Zeit also, Abstand zu gewinnen!


Nehmen ist genauso wichtig wie Geben

Wichtig dafür ist zunächst Selbsterkenntnis. „Wer in Beziehungen viel gibt, sollte vielleicht einmal ­darüber nachdenken, ob er die Fähigkeit besitzt, etwas anzunehmen“, meint Roos. Im Leben ist es genauso wichtig zu nehmen, wie zu geben. Nur so können gute gegenseitige Beziehungen entstehen. Wer also nur eine geringe Selbstachtung hat und seinen Wert nicht kennt, wird leicht zur Zielscheibe für Energieräuber.
Danach lautet das oberste Gebot: dem Gegenüber Grenzen setzen. Dafür ist es wichtig, „Nein“ sagen zu lernen und nicht auf emotionale Erpressung einzusteigen. Man muss hinter die Fassade blicken und so vermeiden, in bestimmte Muster hineingezogen zu werden. Im Folgenden lernen Sie vier häufige Energievampir-Typen kennen – und nützliche Abwehrstrategien.


Die 4 häufigsten Energiefresser

1. Das Opfer

So tickt dieser Typ:
Sein Job ist anstrengend, der Kollege hinterhältig und gemein. Jetzt ist auch noch der Fernseher kaputt und das Geld für den geplanten Urlaub knapp. Scheinbar hat sich die ganze Welt gegen das arme Opfer verbündet. Es badet in Selbstmitleid und will nur eins: gerettet werden. Beim Gegenüber entsteht sofort der Impuls, helfen und Rücksicht nehmen zu müssen. Selbst die Verantwortung zu übernehmen, kommt diesem Energiesauger nicht in den Sinn. Das wäre ja anstrengend.
Abwehrstrategie:
Dieser Mensch will ständig eine Sonderbehandlung und hat daraus den Vorteil, nichts verändern zu müssen. Entschuldigen Sie sich nicht für Ihr scheinbar besseres Leben und übernehmen Sie nicht die Verantwortung für das Leben des Opfers. Erläutern Sie das Problem sachlich. Mal ehrlich: Wer sich einen 1.000-Euro-Fernseher kaufen und deshalb nicht Urlaub in Sardinien machen kann, ist nicht zu bemitleiden.


2. Die Hobbypsychologin

So tickt dieser Typ:
Sie weiß über alles Bescheid und muss das auch mitteilen. Am liebsten schickt sie auch gleich eine Diagnose mit. „Das kenn ich“ oder „Ich weiß, was du jetzt brauchst“ sind ihre Standardfloskeln. Empfehlungen für das Liebesleben („Kann es sein, dass er bindungsunfähig ist?“), Rechthaberei in Diskussionen zu tagesaktuellen Themen und ungebetene Tipps über die richtige Ernährung („Das sind schon Anzeichen einer Magersucht“) sind ihr Metier. Häufig ist sie selbst Perfektionistin, der niemand gerecht zu werden vermag. Natürlich gibt es auch die männliche Version dieses Energieräubertyps, er ist aber seltener.
Abwehrstrategie:
Diskussionen und Gegenargumente helfen hier nicht, sondern bieten nur noch mehr Stoff. Geben Sie diesem Vampir mit einem Augenzwinkern übertrieben recht („Richtig, ich bin wirklich sozialgestört“ oder „Stimmt, vermutlich steckt hinter meinem Wunsch nach mehr Bewegung eine schwere Essstörung“). So zeigen Sie der Rechthaberin ihre Grenzen und mit Humor ­signalisieren Sie, dass Sie darüberstehen.


3. Der emotionale Erpresser

So tickt dieser Typ:
Solche Typen sind schnell gekränkt, wenn sie nicht genug Zuwendung bekommen. Und greifen zu einem bewährten ­Mittel, um andere zu manipulieren: Schuldgefühle. Während Sie z. B. als erwachsene Tochter Weihnachten lieber in ­Australien als mit der Familie verbringen, flüstert die emotionale Erpresserin namens Mutter mit tränenerstickter Stimme: „Das wird deinem Vater das Herz brechen“ oder „Dann müssen wir halt ganz alleine feiern“. Solche Menschen geben sich oft aufopfernd. Gleichzeitig sind sie übergriffig, weil sie die Interessen des Gegenübers (z. B. der erwachsenen Kinder) nicht respektieren.
Abwehrstrategie:
Überlegen Sie, was Sie selbst wollen. Dann stellen Sie sich die Frage, ob Ihre Entscheidung dem Gegenüber schadet oder sie / er einfach zu große Erwartungen an Sie stellt. Halten Sie sich vor Augen: Wer sofort nachgibt, wird sich immer wieder in diesem Spiel gefangen finden – und verlieren.


4. Der Narzisst

So tickt dieser Typ:
Gespräche drehen sich nur um ihn oder sie selbst. Ständig eifert der Narzisst nach Aufmerksamkeit und Bewunderung. Am Gegenüber ist dieser Energievampir kaum interessiert. Die Bedürfnisse des anderen beachtet er nicht, stellt keine interessierten Fragen, sondern gibt lediglich bagatellisierende Antworten. Dieser Typ möchte über Mitmenschen bestimmen. In seiner Gesellschaft hat man schnell das Gefühl, zu kurz zu kommen und permanent geben zu müssen.
Abwehrstrategie:
Narzissten verstehen es meisterhaft von anderen zu fordern und Schuldgefühle zu erwecken. Blicken Sie hinter die Fassade: Meist steckt ein Mensch mit viel Unsicherheit und Minderwertigkeitsgefühlen dahinter. Wer dies erkennt, kann diesen Typ schon mal leichter ertragen. Erzählt die Narzisstin wieder einmal von ihrer Großartigkeit, wiederholen Sie es pointiert oder loben Sie sie. Narzissten sind süchtig nach Anerkennung. Gleichzeitig kommen Sie in die Rolle des Lobenden, der über den Dingen steht.

 

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