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„Meine Narbe“ – Ein Film über den „Schnitt ins Leben“

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Jedes dritte Baby wird in Österreich mittels Kaiserschnitt zur Welt gebracht. Ein Tabu ist dabei die Hilflosigkeit jener Mütter und Väter, die den Eingriff als Trauma erleben und nur schwer verarbeiten können. Im Film „Meine Narbe“ kommen sie zu Wort.

Neugeborenes Baby

liebenlebenRed.(TypischIch)

 

„In der Schwangerschaft habe ich mich nie mit dem Thema Kaiserschnitt beschäftigt. … Eine Wut habe ich auf die Ärzte und Hebammen, weil sie so unmenschlich waren … alleine, wie sie in meinen Körper eingedrungen sind, ohne mir etwas zu sagen. Das war grenzenüberschreitend. … Ich bin gar nicht gefragt worden. Sie haben mich in diesem Moment entmündigt.“
Aus dem Film "Meine Narbe"

Mit dieser intimen, offenen Beschreibung ihrer persönlichen Kaiserschnitterfahrung beginnt der erste Trailer zum Film „Meine Narbe – Ein Schnitt ins Leben“. Harte Worte, die nicht nur Mütter ins Herz treffen, und in der Praxis von Psychologin Judith Raunig oft fallen. Sie hat sich auf die Begleitung von Frauen, die einen Kaiserschnitt nicht ohne seelische Narben überstanden haben, spezialisiert. Gemeinsam mit der Regisseurin Mirjam Unger, bekannt durch „Ternitz, Tennessee“ oder den Dokumentarfilm „Vienna’s Lost Daughters“, stellt sie jene Eltern im Rahmen des Dokumentarfilmes "Meine Narbe - Ein Schnitt ins Leben" in den Mittelpunkt.

Schuldgefühle und leichtfertige Kaiserschnitte

„Der Kaiserschnitt war immer eine dunkle Wolke, die über mir gehangen ist. So viele andere Frauen bringen ihre Kinder vaginal zur Welt, nur ich schaff’s nicht. Ich bin zu blöd dazu.“ Im Film erzählen Frauen von Schuldgefühlen, aber auch von der Leichtfertigkeit, mit der ein Kaiserschnitt ihrer Meinung nach an ihnen vollzogen wurde. „Es gab dann diesen Moment, da meinte der Arzt zu mir: ‚Sie sind jung, Sie sind schlank, ich mach Ihnen den perfekten Kaiserschnitt.‘“


 

Etwa 30 Prozent aller Geburten in Österreich sind Kaiserschnitte, die WHO, die weltweite Gesundheitsorganisation, empfiehlt einen Anteil von 15 Prozent. Das entspricht in etwa der Anzahl jener Geburten, bei denen medizinische Indikationen tatsächlich für einen Kaiserschnitt sprechen. Prof. Peter Husslein, Leiter der Geburtshilfe des Wiener AKH, meint Im Interivew mit Unger und Raunig, dass sich die Zahl der Schnittgeburten weiter erhöhen wird, und sieht normale Geburten in der Zukunft als Ausnahme: „Frauen werden sich ganz bewusst für die vaginale Geburt entscheiden müssen, während sie sich jetzt noch bewusst für den Kaiserschnitt entscheiden.“


 

Die Angst um das Kind

Judith Raunig und Mirjam Unger stellen in "Meine Narbe" die Frage der Gleichberechtigung von ärztlichem Personal und Eltern bei der Entscheidung für oder gegen einen Kaiserschnitt.  Die Hebamme Ulrike Schuster meint: „Wenn man Schwangeren sagt, für ihr Kind wäre das besser, sagt kaum eine Frau: ‚Ich will das nicht!‘. Damit hat man die meisten schon gefangen. Man macht ihnen Angst und hängt es am Kind auf.“

Renate Großbichler, leitende Hebamme des SMZ Ost Wien, sieht die Planbarkeit der Sectio als Vorteil für die Arbeit des Krankenhauspersonals: „Das ist eine sehr bequeme Geschichte. Ich hab keine Rufbereitschaft, ich kann die Sache in einer halben Stunde erledigt haben, hab die Mutter unter Dach und Fach.“

In „Meine Narbe – Ein Schnitt ins Leben“ gehen Mirjam Unger und Judith Raunig einfühlsam, aber auch mit Beharrlichkeit den Gründen auf die Spur und initiieren eine, für viele Betroffene schmerzhafte, Auseinandersetzung mit dem Thema.
Im Anschluss an die Erstausstrahlung findet in ORF2 eine "Kreuz und Quer Diskussion" zum Thema "Medizin zwischen Markt und Moral" statt.

 „Meine Narbe – Ein Schnitt ins Leben“, Erstausstrahlung am 25.11.2014 um 22.35 Uhr auf ORF2 im Rahmen von "Kreuz und Quer", Wiederholung am 27.11. um 11.50 Uhr ebenfalls auf ORF2. Ab 5.12. auf DVD erhältlich.

 

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